Politik : Schröders Ostreise: Als Joseph starb

Die "Bild"-Zeitung war es, die am 23. November vergangenen Jahres eines der peinlichsten Kapitel der bundesdeutschen Mediengeschichte lostrat. "Neonazis ertränken Kind", titelte sie. Von da an belagerten Journalisten fast aller großen deutschen Zeitungen und Fernsehsender die sächsische Kleinstadt Sebnitz. Ohne groß nachzurecherchieren, ließen sich die meisten die Geschichte von der Mutter des Kindes in die Blöcke diktieren: Am 13. Juni 1997 habe eine Clique Rechtsradikaler ihren 6-jährigen, halb-irakischen Sohn Joseph Kantelberg-Abdulla im Freibad umgebracht - vor 200 Zeugen. Auch die Staatsanwaltschaft prüfte nicht lange: Schnell nahm sie drei angebliche rechte Rädelsführer fest. Nach fünf Tagen kamen die Verdächtigen frei. Die Geschichte war in sich zusammengebrochen. Im Frühjahr wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Joseph starb eines natürlichen Todes - das gilt jetzt als erwiesen. Seither liegt das eigentlich entlegene Sebnitz auf der Route der Politiker. Biedenkopf war schon zu Rehabilitierungsbesuchen da, im Dezember war Johannes Rau gekommen, jetzt Schröder. nol

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