Politik : Schröders Wort in Volkes Ohr (Kommentar)

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Wachen wir morgen früh auf und sind plötzlich völlig selbstständig? Erwarten wir keine Unmöglichkeiten mehr von unserem überforderten Staat, nur weil ein neues Jahrhundert angebrochen ist? Nehmen wir alles selbst in die Hand - unsere Altersvorsorge und auch die Verantwortung für unseren Nachbarn, dem es nicht gut geht? Bundeskanzler Gerhard Schröder wünscht sich diesen Mut und diesen neuen Bürgersinn. In seiner Neujahrsansprache appelliert er an die Deutschen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Für ihn war das sozialdemokratische Jahrhundert der Staatsbeglückung längst abgeschlossen, bevor es jetzt tatsächlich zu Ende geht. Aber darin ist Schröder eben nicht nur seiner Partei, sondern auch vielen Deutschen voraus. Die Angst vor dem Zeitalter des ungebremsten Eigensinns ist auch berechtigt: Nicht als Verheißung, sondern als Drohung empfinden viele den Übergang in die Ära, in der die alten Regeln nicht mehr gelten. Ergo versichert der Kanzler, er wisse um die Angst vor der Veränderung. Wenn Schröder auch außerhalb von Neujahrsansprachen noch zeigt, dass er für diese Gefahr ein Gefühl hat - ja, dann kann das neue Jahr für ihn und die Deutschen wirklich ein recht gutes werden.

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