Schüler demonstrieren in Paris : Mit Gewalt gegen Gewalt

Pariser Schüler demonstrierten am Dienstag erneut gegen staatliche Übergriffe und Polizeigewalt – und randalierten.

Vor einem Pariser Gymnasium versammelten sich am Dienstag 2000 Schüler. Dann brannten Mülltonnen und eine Schuldirektorin wurde verletzt.
Vor einem Pariser Gymnasium versammelten sich am Dienstag 2000 Schüler. Dann brannten Mülltonnen und eine Schuldirektorin wurde...Foto: imago/ZUMA Press

Das Pariser Gymnasium Hélène Boucher an der Porte de Vincennes wurde am Dienstag zum Treffpunkt von 2000 Schülern verschiedener Gymnasien. Sie kamen vermummt, trugen Megafone, riefen „Justice“ und hielten Spruchbänder vor sich: „Flics armés, jeunesse blessée.“ (Bewaffnete Polizisten, verletzte Jugend) oder „Pas de justice, pas de paix“ (Keine Justiz, kein Frieden).

Vier Schüler zwischen 15 und 16 Jahren, die Banderolen trugen, erklärten, was sie auf die Straße bringt: „Angefangen hat alles mit Theo.“ Theo ist der 22-jährige Schwarze, der bei einer Polizeirazzia am 2. Februar in Aulnay- sous-Bois bei Paris festgenommen und schwer misshandelt und angeblich mit dem Schlagstock vergewaltigt wurde.

Hundertschaften von Polizisten waren aufgestellt

Nun gehen die Schüler gegen die Polizeigewalt auf die Straße. Die Nachricht von der Demonstration verbreiteten sie über Facebook und Twitter. Geplant war eine Protestaktion vor der Außenstelle des französischen Innenministeriums in der Nähe des Gymnasiums Hélène Boucher. Deshalb hatten sich dort auch Hundertschaften von Polizisten aufgestellt, verbarrikadiert mit Metallzäunen und bewaffnet mit Schlagstöcken. Doch die Jugendlichen zogen an ihnen vorbei in eine andere Richtung.

Sie wollen auch Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen am 23. April und 7. Mai nehmen: „Wir fordern Reformen für die Polizei und richten uns dabei an alle Kandidaten. Alle Menschen sollen gleich behandelt werden, egal welche Hautfarbe. Und vor allem darf es nicht zu Brutalität durch die Polizei kommen.“

So spielen die Schüler Marine Le Pen in die Hände

Spielen die Demonstrationen kurz vor den Wahlen nicht in die Hände der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen? „Friedliche Demonstrationen nicht, aber Demonstrationen, die ausarten, bedeuten schon eine Gefahr“, sagt einer der Jugendlichen. Man wolle zeigen, dass Frankreich antifaschistisch ist. „Wir wollen kein Frankreich außerhalb von Europa, in dem Ausländer weniger Rechte haben als andere, sondern ein Land, in dem alle gleich sind.“ Damit richten sie sich gegen Le Pen, die den Ausstieg aus der EU und ein Frankreich für Franzosen proklamiert.

In den vergangenen Wochen kam es zu etlichen Demonstrationen in Paris und im ganzen Land. Und schon häufiger ging es in den letzten Jahren gegen die Polizeigewalt. Immer schalteten sich die Gymnasiasten ein. Ihr Protest kann große Wirkung entfalten, das zeigte sich im vergangenen Jahr, als wütende Schüler und Studenten wochenlang gegen das neue Arbeitsgesetz auf die Straße gingen, das die Regierung lockern wollte.

Häufig kommt es zu Krawallen. Vergangene Woche hatten sie rund 15 Schulen blockiert, Mülltonnen umgekippt und die Eingänge versperrt. Auch diesmal waren wieder 15 Schulen blockiert. Jugendliche, die in Gruppen durch Paris liefen, und dabei „Nieder mit dem Polizeistaat“ und „Wir wollen keine Polizei made in USA“ riefen, attackierten die Polizei mit Wurfgeschossen, verbrannten Mülltonnen, zerstörten ein Auto und einen Supermarkt, eine Schuldirektorin wurde verletzt. 22 Personen wurden festgenommen. Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem verurteilte „ganz energisch“ diese Gewalt. Auch die größte Gewerkschaft der Schuldirektoren protestierte gegen „das Klima der Gewalt der Schulblockaden“. So spielen die Demonstranten schließlich doch Le Pen in die Hände.

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