Politik : Schüler müssen in Mecklenburg-Vorpommern einen Eignungstest für das Gymnasium ablegen

Andreas Frost

Die SPD/PDS-Koalition in Mecklenburg-Vorpommern hat ihren Streit um die künftige Schulpolitik so gut wie beigelegt. Vom Schuljahr 2001/2002 an soll eine so genannte "schulartunabhängige Orientierungsstufe" für die Klassen fünf und sechs eingeführt werden. Das Gymnasium ab Klasse fünf zu besuchen, wird nur noch nach einer Eignungsprüfung möglich sein. Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) sprach von einem "Durchbruch". Hatte doch die PDS-Landtagsfraktionsvorsitzende Angelika Gramkow vor kurzem noch gedroht, auf dem Landesparteitag im März die Koalitionsfrage zu stellen. Das Ergebnis sei ein "schmerzhafter, aber tragfähiger Kompromiss", so der PDS-Bildungsexperte Andreas Bluhm nach der Einigung im Koalitionsausschuss.

Die Sozialisten hatten eigentlich den frühen Weg aufs Gymnasium verhindern wollen. Die Sozialdemokraten gaben dafür ihre Forderung auf, dass die Eltern schon nach der vierten Klasse das letzte Wort über die Schullaufbahn ihrer Sprösslinge haben. Das wird ihnen zum Ende von Klasse sechs zugebilligt. Die Orientierungsstufe soll örtlich den Haupt- und Realschulen angegliedert werden. Aber auch die fünfte und sechste Klasse am Gymnasium soll Orientierungsstufe sein, versichern die Bildungsexperten der Koalition. Allerdings werden hier die Leistungsanforderungen höher sein und Förderkurse wie an den anderen Orientierungsstufen fehlen. Wie der Eignungstest zum Gymnasium aussehen soll, wollen die Koalitionäre Anfang März aushandeln.

Oppositionschef Eckhardt Rehberg (CDU) kritisierte die Entscheidung als "faulen Kompromiss". Die Eltern würden entmündigt, das Leistungsniveau gesenkt, die Schulen verunsichert und das 12-Jahre-Abitur unmöglich gemacht. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Heidrun Breyer meinte, durch die Eingangsprüfung zum Gymnasium würde das Ziel, eine frühe "Selektion" zu vermeiden, ausgehebelt.

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