Politik : Schüler schießt auf Lehrerin und tötet sich selbst

Ein Jahr nach Erfurt nimmt 16-Jähriger in Coburg Geisel in seiner Klasse / Bundeskriminalamt warnt: Immer mehr Jungen gewalttätig

-

Coburg/Berlin (ded/dpa). Ein Jahr nach dem Erfurter Amoklauf hat erneut ein Schüler in einer Schule zu einer Schusswaffe gegriffen. Ein 16jähriger Realschüler im fränkischen Coburg schoss am Mittwoch während des Unterrichts auf seine Lehrerin und verletzte eine Schulpsychologin. Danach tötete er sich selbst. Die Lehrerin blieb unverletzt, die Psychologin wurde am Oberschenkel getroffen. Die Motive des Schülers sind unklar. Die Zahl extrem schwieriger Schüler nimmt nach einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Bundeskriminalamts zu. Rund fünf Prozent neigten zur Gewalt.

Der Schüler in Coburg feuerte zwei Mal auf die Lehrerin, ohne sie zu treffen. Die 41-Jährige und die Schüler flüchteten aus dem Raum, einen 15-Jährigen nahm der Täter als Geisel. Der herbeigeeilten Schulpsychologin schoss der 16-Jährige ins Bein. Dennoch konnte die Frau flüchten. Anschließend schoss sich der Täter mit einer zweiten, großkalibrigen Waffe in den Mund. Die Waffen stammen aus dem Besitz seines Vaters, einem Sportschützen. Der Täter galt laut Schulleitung als ruhiger und unauffälliger Schüler.

Aggressionen unter Schülern nehmen in Deutschland zu. Dies geht aus einer am gleichen Tag vorgestellten Studie des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden hervor. Etwa fünf Prozent der Schüler zeigten danach regelmäßig körperliche Aggressionen oder drangsalierten andere. Dabei handele es sich meist um Jungen, die ihr Opfer auf dem Pausenhof oder dem Schulweg fänden. Als eine Hauptursache nennt die Studie das Familienklima. Häusliche Förderungsdefizite und emotionale Kälte könnten sich schädlicher auf die Entwicklung der Jugendlichen auswirken als etwa die Scheidung der Eltern. Zudem resultiere Gewaltbereitschaft nicht allein aus der Zugehörigkeit zu sozial schwachen Schichten, starkem Medienkonsum oder Alleinerziehung; erst die Häufung der Faktoren führe zu Gewalt. Friedrich Lösel, Autor der Studie und Professor für Psychologie in Erlangen, warnte angesichts der Ergebnisse vor hektischem „Aktionismus mit gut gemeinten Programmen“.

Der Verband Bildung und Erziehung reagierte besorgt. „Die Verrohung der Sprache unserer Kinder und Jugendlichen steht dafür, dass die Hemmschwelle gegenüber Erwachsenen extrem niedrig geworden ist“, erklärte der Vorsitzende Ludwig Eckinger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben