Politik : Schülerzahl halbiert sich auf 37.000 - Experten wollen Klassen auf 15 Kinder verkleinern

Michael Mara

Die Halbierung der Schülerzahlen aufgrund der demographischen Entwicklung wird zur Schließung von rund 120 weiterbildenden Schulen vor allem an der Peripherie des Landes führen. Zu diesem Ergebnis ist die von der Regierung vor einem Jahr eingesetzte überparteiliche Experten-Kommission gekommen, die angesichts des Schülerrückgangs Vorschläge "für die Gewährleistung einer qualitativ guten schulischen Bildung" auch in den ländlichen Regionen Brandenburgs unterbreiten sollte. Der rund 40-seitige Bericht wurde gestern vom Kommissions-Vorsitzenden und ehemaligen GEW-Chef Dieter Wunder offiziell vorgestellt.

Danach wird die Zahl der Schüler der Sekundarstufe I (Klassen 7 bis 10) im sogenannten äußeren Entwicklungsraum wegen des starken Geburteneinbruchs nach der Wende bis zum Jahr 2008/09 von über 100.000 (1989/90) auf rund 37.000 sinken, also auf rund 37 Prozent des einstigen Niveaus. Auch danach wird sie bis zum Schuljahr 2015/16 nur leicht auf etwa 45 Prozent des Wertes in der Wendezeit ansteigen. Wunder sprach von einem dramatischen Rückgang der Schülerzahlen in Brandenburg und im Osten Deutschlands überhaupt, der in der Geschichte des deutschen Bildungswesens einmalig sei. Ziel der Kommission sei die Erhaltung möglichst vieler Schulstandorte bei Aufrechterhaltung einer guten schulischen Bildung gewesen.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Kommission die Beibehaltung der Mindestschulgröße in der Sekundarstufe I (zwei Parallelklassen je Jahrgangsstufe bei einer Mindestfrequenz von 20 Schülern je Klasse), eine einzügige Sekundarstufe (nur eine Klasse je Jahrgangsstufe) wird auch in Ausnahmefällen abgelehnt. Allerdings empfiehlt die Kommission eine Senkung der so genannten Mindestschülerzahl von 20 auf 15 je Klasse, wenn dadurch in Grundzentren Schulen erhalten werden können.

Dort, wo in zwei nahe gelegenen Orten jeweils eine Gesamtschule und eine Realschule in ihrem Bestand gefährdet sind, empfiehlt die Kommission als neue Schulform die Errichtung einer sogenannten Sekundarschule, wo laut Wunder "alles zusammengeworfen wird". Die Kommission empfiehlt außerdem vor dem Hintergrund des Schülerrückgangs, den Anteil der Schüler, die ein Gymnasium besuchen, stabil zu halten. Derzeit sind das in Brandenburg 30 Prozent, etwa so viel wie in anderen deutschen Flächenländern. Würde der Anteil wachsen, so die Befürchtung der Kommission, ginge das zu Lasten des Anteils der Real- und Gesamtschulen, so dass diese zusätzlich gefährdet würden.

Abgelehnt wird von der Kommission die vom Bildungsministerium geplante Einführung sogenannter Schnellläuferklassen ab Jahrgangsstufe 5 mit dem Ziel, das Abitur schon nach 12 Jahren abzulegen. Dies könnte Auswirkungen auf die Gymnasialstruktur im äußeren Entwicklungsraum und den Bestand anderer Schulformen haben. Die Landesregierung will dennoch an ihren Plänen festhalten, sagte Bildungsminister Steffen Reiche am Mittwoch. Bereits Ende Mai werde er ein Konzept für die Schnellläuferklassen vorlegen. Davon abgesehen trage er jedoch die Grundlinien des Kommissions-Papiers mit. Auch SPD und CDU stehen grundsätzlich dahinter, während die PDS Bedenken hat.

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