Politik : Schüsse vor Wahlergebnis im Kongo

Judith Reker

Kinshasa - Schüsse statt Wahlergebnisse – das war am späten Sonntagabend die Situation in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Schon seit dem Nachmittag warteteten Dutzende Journalisten in Kinshasa vergeblich auf die angekündigte Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidenten- und Parlamentswahlen vom 30. Juli. Rund um das Pressezentrum auf der Hauptstraße, dem Boulevard des 30. Juni, fuhr ein ungewöhnlich großes Aufgebot an UN-Panzerfahrzeugen auf. Ansonsten waren die Straßen in der Hauptstadt fast menschenleer.

Wer auf wen geschossen hat, war am Abend noch unklar. Bestätigt wurden drei Verletzte, darunter ein Polizist und zwei Anhänger des MLC, der Partei des Vize-Präsidenten Jean-Pierre Bemba. Ebenfalls bestätigt wurde, dass zwei Panzer der Präsidentengarde auf dem Boulevard fuhren. Nach Angaben von Wahlexperten zeichnet sich eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Joseph Kabila und dem früheren Rebellenführer Bemba ab. Kabila soll deutlich in Führung liegen, die absolute Mehrheit aber verfehlt haben. Die in diesem Fall notwendige Stichwahl ist für den 29. Oktober geplant.

Die Stimmung in der Hauptstadt hatte sich in den vergangenen Tagen zunehmend aufgeheizt. Drei Fernsehsender waren von der Medienaufsicht abgeschaltet worden, weil sie täglich dieselbe brutale Szene zeigten, in der ein Polizist während einer Veranstaltung von Bemba gelyncht wurde. Aus Bembas Lager erklangen immer schärfere Töne, dass man eine Niederlage nicht hinnehmen werde.

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen waren die ersten freien und demokratischen Wahlen im Land seit mehr als 40 Jahren. In zwei verheerenden Kriegen starben vier Millionen Menschen in dem Land von der Größe Westeuropas. Etwa 280 Bundeswehrsoldaten halten sich zur Zeit in Kinshasa auf, sie sind Teil der 2000 Soldaten starken europäischen Mission für den Kongo (Eufor). Bisher ist die Truppe im Kongo noch nicht eingesetzt worden.

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