Politik : Schuh-Attentäter fiel bereits im Juni in Israel auf

Der verhinderte Flugzeugattentäter Richard Reid ist bereits im Juni israelischen Sicherheitskräften am Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen aufgefallen und dort vorübergehend festgehalten worden. Nach einer kurzen Überprüfung habe man ihn aber laufen lassen, berichtete die israelische Zeitung "Jediot Achronoth" am Donnerstag. Der französischen Zeitung "Le Parisien" zufolge ist Reid zur Vorbereitung seines versuchten Sprengstoffattentats mehrmals mit der israelischen Fluggesellschaft "El Al" geflogen, weil diese für ihre scharfen Kontrollen bekannt sei. Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Beth untersucht zur Zeit, zu welchem Zweck sich Reid in Israel aufhielt.

"Le Parisien" zufolge sei Reid nach seinem einwöchigen Israel-Aufenthalt nach Ägypten weitergereist. Um die Spuren dieser Reise zu verwischen, habe er sich anschließend in Belgien einen neuen Pass ausstellen lassen. Dann sei er aus Amsterdam über Brüssel nach Paris gereist, wo er die Maschine der American Airlines bestieg. In der niederländischen Stadt seien Reid auch die "Sprengstoff-Schuhe" ausgehändigt worden, schrieb die Zeitung, die sich auf französische Untersuchungsbeamte berief.

Am 16. Dezember sei Reid von Amsterdam aus mit dem Zug nach Paris gefahren, wo er sein Flugticket nach Antigua über Miami für 3700 Mark bar bezahlt habe. Der Mann habe vier Tage in Paris verbracht. Da jedoch keine Spuren von Hotelaufenthalten gefunden wurden, vermutet die Polizei, dass er vielleicht bei Komplizen Unterkunft gefunden hat.

Das Oberhaupt einer Moschee in London hat inzwischen erklärt, die Polizei mehrfach vor dem späteren "Schuh-Attentäter" Richard Reid gewarnt zu haben. In den vergangenen fünf Jahren habe er die Behörden immer wieder über radikale Moslems informiert, die in seiner Gemeinde operierten, sagte Abdul Haqq Baker, Vorsteher der Moschee in Brixton, am Donnerstag. Reid war der Gemeinde zur gleichen Zeit beigetreten wie Zacarias Moussaoui, der als "20. Mann" der Anschläge vom 11. September gilt und in den USA wegen Verschwörung angeklagt wurde.

Der amerikanische Fernsehsender ABC berichtete am Mittwoch unter Berufung auf europäische Ermittler, es gebe Beweise für Kontakte zwischen Moussaoui und Reid im vergangenen Jahr. Beide seien in einem Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al Qaida in Afghanistan ausgebildet worden. Einige festgenommene Al-Qaida-Kämpfer hätten Reid auf Fotos wiedererkannt. Baker erklärte, Moussaoui und Reid hätten wahrscheinlich gemeinsam an Lesungen radikaler Moslems teilgenommen, die nicht in dem Zentrum in Brixton lehren durften.

Baker hielt es für wenig wahrscheinlich, dass Reid den versuchten Anschlag allein plante: "Er war leicht zu führen. Reid wurde als Test vorausgeschickt, obwohl er das wohl nicht wusste." Fluggäste und Besatzung des Passagierflugzeugs hatten den 28-Jährigen überwältigt, als er den Sprengsatz in seinen Schuhen zünden wollte.

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