Schule : Lehrermangel wird immer dramatischer

An Deutschlands Schulen fehlen nach einer Umfrage des Philologenverbandes rund 16.000 Lehrer. Nicht nur in Berlin ist die Personaldecke "zum Zerreißen gespannt".

070917schule Foto: ddp
Die Liste der ''Mangelfächer'' wird immer länger. -Foto: ddp

BerlinDie Lage ist "so schwierig wie seit 35 Jahren nicht mehr", erklärte der Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Organisation, Heinz-Peter Meidinger. Besonders groß ist die Not an beruflichen Schulen, an Gymnasien und Realschulen in Süddeutschland sowie in den so genannten Mangelfächern. Dazu zählt der Verband neben Mathematik, Physik, Latein und Religion inzwischen in Bayern auch die Fremdsprachen und sogar Deutsch.

Der Deutsche Philologenverband stützt sich auf eine Umfrage unter den eigenen Landesverbänden sowie den Realschullehrerverband. Eine hohe Zahl von Seiteneinsteigern ohne Lehrerstudium gefährdet zudem die Unterrichtsqualität. Bei fast jeder fünften Neueinstellung handelt es sich inzwischen um einen Seiteneinsteiger aus einem anderen Berufsfeld. An bestimmten Schularten in einzelnen Bundesländern liegt diese Quote sogar deutlich über 50 Prozent.

Qualitätsstandards werden kontinuierlich abgesenkt

"Wir beobachten mit Sorge, dass die Qualitätsstandards bei der Einstellung von Lehrern in vielen Bundesländern kontinuierlich abgesenkt werden", erklärte Meidinger. Diese Notmaßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung müssten "zeitlich eng begrenzt werden."

Allein in Baden-Württemberg fehlen nach diesen Angaben 900 Berufsschullehrer, in Bayern fast 1000. Hinzu kommt dort ein Fehlen von über 600 Gymnasiallehrern. Aber auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin ist "die Personaldecke zum Zerreißen gespannt".

Die Lehrerversorgung in den Mangelfächern wird zudem dadurch verschärft, dass durch die große Nachfrage der Wirtschaft nach Naturwissenschaftlern zahlreiche Lehramtsstudenten kurzfristig in die Diplomstudiengänge gewechselt sind. Meidinger warnte davor, den Lehrermangel durch Unterrichtskürzungen zu kaschieren. "Der Vorstoß von Kultusministern aus Unionsländern, die Mindeststundenzahl an Gymnasien nochmals drastisch herabzusetzen, ist ein Versuch, den Lehrermangel auf Kosten der Qualität zu beseitigen." (mit dpa)

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