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Die Mehrheit der Bildungspolitiker lehnt Annette Schavans Vorschläge für einheitliche Schulbücher ab.

Anja Kühne,Uwe Schlicht

Der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), künftig bundeseinheitliche Schulbücher einzuführen, ist bei Bildungspolitikern überwiegend auf Kritik gestoßen. Die stellvertretende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, Ute Erdsiek-Rave, unterstrich, eine Vielfalt methodischer Ansätze sei auch in Zukunft wünschenswert – nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Schule zu Schule. Die zwischen den Ländern verabredeten Bildungsstandards garantierten Vergleichbarkeit. „Was die Eltern wirklich nervt, sind die vielen Schulsysteme“, sagte die Politikerin. Doch hier endlich für mehr Vergleichbarkeit zu sorgen, dazu fehle Schavan der Mut.

Ihr Kollege Jürgen Schreier (CDU), ebenfalls stellvertrender Präsident der KMK und saarländischer Bildungsminister, erklärte, die Länder hätten es sich zum Ziel gesetzt, für die Mobilität von Schülern und Lehrern sowie für einheitliche Maßstäbe bei der Anerkennung von Abschlüssen zu sorgen. Gemeinsame Schulbücher hält Schreier ebenfalls nicht für sinnvoll. Wenn man den Schulen bei der Gestaltung des eigenen Programms jetzt mehr Autonomie gewähre, dann müsse man ihnen auch das Recht geben, sich das passende Unterrichtsmaterial dafür auszusuchen: „Eine Monopolisierung der Schulbücher ist deswegen nicht empfehlenswert.“

Richtig liegt die Bundesministerin in seinen Augen mit der Forderung nach einer Halbierung der Zahl der Schulabbrecher. Hierzu hätten die CDU-regierten Länder ein gemeinsames Programm gestartet. Richtig sei auch die Forderung, ein funktionierendes Stipendiensystem zu entwickeln, nachdem die Studiengebühren eingeführt worden seien. Hier sei in erster Linie die Wirtschaft gefragt. Sie müsse sich, wie in den angelsächsischen Ländern üblich, für Stipendienprogramme engagieren, erklärte Schreier.

Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Erich Thies (CDU), warnt vor einer inhaltlichen Verarmung, sollten die Schulbücher in Zukunft zu stark vereinheitlicht werden. Selbst wenn die Regierungschefs der EU mit der Lissabonerklärung aus dem Jahr 2000 eine Halbierung der Zahl der Schulabbrecher bis zum Jahr 2010 vereinbart haben, sei es nach der Föderalismusreform allein Sache der Bundesländer, für die Umsetzung dieses Ziels die erforderliche Personalkapazität zu schaffen. Der Bund dürfe in das Lehrpersonal an den allgemeinbildenden Schulen nicht investieren, betonte Thies.

Dagegen sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Jörg Tauss, er halte es für richtig, wenn die Länder sich auf gemeinsame Schulbücher einigten. Davon seien sie jedoch sehr weit entfernt: „Bislang machen Rheinland-Pfalz und Hessen einen völlig anderen Physikuntericht“, sagte Tauss. „Selbst die beiden konservativen Länder Bayern und Baden-Württemberg haben nicht mal ein eigenes Lateinbuch.“ Nach der Föderalismusreform seien Schulangelegenheiten allerdings allein Sache der Länder. „Es ist bedauerlich, dass Schavan mindestens ein Jahr zu spät zu ihrer Einsicht kommt“, sagte Tauss.

Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kritisierte Schavans Vorstoß als realitätsfremd. Im Vorfeld der Föderalismusreform habe Schavan sich „mit wehenden Fahnen“ dafür starkgemacht, den Bund aus der Bildung auszuschließen.

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