Schulpolitik : Merkel startet "Bildungsreise" im Kindergarten

Angela Merkel ist mit einem Appell für mehr Investitionen in die Bildung in ihre "Bildungsreise" durch Deutschland gestartet. In Frankfurt besichtigte die Kanzlerin einen Kindergarten - an der Seite von Ministerpräsident Koch.

Merkel
Merkel und Koch nebst Kindern. -Foto: dpa

Berlin/Frankfurt/MainDer Ruf nach mehr Anstrengungen zur Verbesserung des Bildungswesens in Deutschland wird lauter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Donnerstag eine "Bildungsreise" quer durch Deutschland begann, forderte die Bundesländer zu verstärkten Bildungsinvestitionen sowie zur Zusammenarbeit mit dem Bund auf. "Wenn unser Land die Herausforderungen der Zukunft meistern will und wir die Bildungsrepublik Deutschland werden wollen, dann müssen Bund und Länder an einem Strang ziehen", sagte die Kanzlerin.

Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) verteidigte die Kultushoheit der Länder und warnte davor, "Zuständigkeiten zu verwischen". Reformen bestünden auch "aus der konkreten Arbeit vor Ort, aus der Zusammenarbeit mit den Schulen". Dies könne man "auf Länderebene deutlich besser regeln". Bei Themen wie Kindertagesstätten und Hochschulen kooperiere man aber auch. So arbeiteten Bund und Länder etwa beim Ausbau von Kindertagesstätten eng zusammen.

Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, die große Koalition habe "mit der Föderalismusreform dem Bund faktisch alle Handlungsmöglichkeiten in der Bildungspolitik geraubt". Merkel könne "zwar reisen, aber nichts bewegen". Dabei wäre weiterhin eine umfassende Bildungsreform notwendig.

Vorzeigeeinrichtungen für die Kanzlerin

Die Kanzlerin will bis zum 9. Oktober zwölf Bildungseinrichtungen in zehn Bundesländern besuchen. Die Palette reicht vom Kindergarten über Schulen bis hin zu Ausbildungsbetrieben und Hochschulen. Zum Auftakt stand am Donnerstag die Visite eines Kindergartens in Frankfurt am Main auf dem Programm; anschließend war ein Besuch der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt geplant. Es seien vor allem Einrichtungen mit innovativen pädagogischen und bildungspolitischen Ansätzen ausgewählt worden, die als Vorbilder für die Reform des Bildungssystems dienen könnten, hieß es.

Begleitet wurde Merkel vom amtierenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (alle CDU). Der Kindergarten hat einen besonderen Schwerpunkt bei der Sprachförderung und der Integration von Migrantenkindern. Von den 60 Ganztagskindern haben etwa 70 Prozent einen Migrationshintergrund. Die Einrichtung erprobte im Modellversuch bereits seit 2004 das Sprachförderprogramm "Frühstart" und führt seit Kurzem auch das Sprachscreeningsystem "KiSS" durch.

Merkel: Weniger Schüler bedeutet mehr Geld für den Rest

Merkel warb in der "Bild"-Zeitung dafür, finanzielle Spielräume aufgrund sinkender Schülerzahlen für Investitionen in die Bildung zu nutzen. Zwar sei nach den Pisa-Studien im deutschen Bildungswesen bereits viel in Bewegung geraten. Noch immer klagten aber viele Schulen, "dass die Kinder nicht gut genug vorbereitet aus dem Kindergarten kommen". Auch klage die Wirtschaft, dass 20 bis 25 Prozent der Schüler nach dem Schulabschluss nicht ausbildungsfähig seien. "An diesen Schnittstellen müssen wir uns noch verbessern", sagte die Regierungschefin. (jvo/dpa/ddp)

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