Schulschiff ist eingelaufen : Nach Kiel geholt: "Gorch Fock" ist zurück

Die "Gorch Fock" ist am Vormittag in Kiel eingelaufen. Ob sie je wieder als Segelschulschiff der Marine ablegt, ist nach den Affären der vergangenen Monate ungewiss.

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6. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine Anwärterin zu Tode kam.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2011 11:396. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine...

Der Liegeplatz war reserviert, das Marine-Musikcorps Ostsee zum Empfang bereit. Am Freitagmorgen erreichte die Dreimast-Bark den Kieler Marinestützpunkt. Dort warteten Hunderte Angehörige auf die Rückkehr der 181 Männer und Frauen starken Stammbesatzung. Bereits am Donnerstag hatte das Schiff Kiel erreicht und war vor Strande nördlich von Kiel vor Anker gegangen. Beim letzten Teilstück der Reise von Strande zum Marinestützpunkt wurde die „Gorch Fock“ von zahlreichen Booten begleitet

Doch das prächtige Schauspiel, das die Rückkehr der „Gorch Fock“ in ihren Heimathafen noch jedes Mal bietet, verursacht diesmal bei allen Beteiligten einen bitteren Beigeschmack. Eine Mannschaft geht von Deck, die wochenlang als Schinder-Crew durch die Schlagzeilen gejagt wurde. Und ob der Dreimaster je wieder als Segelschulschiff der Marine von der Tirpitzmole ablegt, ist ungewiss.

Immerhin besteht Aussicht, dass die Skandalgeschichte um den Tod der Offiziersanwärterin S. und die angeblich menschenverachtende Behandlung anderer Kadetten bald zum Abschluss kommt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Verteidigungsausschuss wissen lassen, dass die Abgeordneten Anfang Juni die zusammenfassende Bewertung seines Hauses bekommen. Darin sollen die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Kiel einfließen, die den Absturz der jungen Frau während der Kletterei in den Masten des Seglers untersucht hat, außerdem die Berichte des Havariebeauftragten der Marine und der Untersuchungskommission, die durch Befragungen aller Beteiligten die Vorwürfe aufzuklären versucht hat, die der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) öffentlich gemacht hatte.

Den letzten dieser Berichte kennt der Ausschuss schon: Er kommt zu dem Schluss, dass sich Offiziere und Stammbesatzung des Ausbildungsschiffs nicht immer klug oder sensibel verhalten haben, aber weit überwiegend vorschriftsgemäß, und dass der Großteil der Beschwerden von Kadetten unbegründet, nicht aufzuklären oder Folge von Missverständnissen war. Um nur ein Beispiel zu geben: Die Traueransprachen des damaligen Kommandanten Norbert Schatz, die manche Kadetten als herzlose Durchhalteparole empfunden hatten, hat ein anwesender deutscher Pfarrer als Ermutigung in Erinnerung behalten, trotz aller Trauer das eigene Leben weiterzuleben.

Kapitän Schatz ist nach wie vor von dem Kommando entbunden, das ihm der damalige Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgrund von Berichten der „Bild“-Zeitung entzogen hatte. Über Schatz’ Zukunft muss demnächst der Marineinspekteur entscheiden. De Maizière hat schon früh klargemacht, dass er sich nicht einmischen will, sondern Wert auf den normalen Dienstweg legt.

Der Vizeadmiral Axel Schimpf könnte am Ende auch der sein, der über das Schicksal von Schatz’ Schiff bestimmen muss. Der Zeitpunkt kommt spätestens, wenn das Sparpaket für den Umbau der Bundeswehr geschnürt ist. Auch die Marine steht dann vor der Entscheidung, was ihr wichtig ist und was entbehrlich.

Billig ist die Bark ja nicht – der normale Betrieb kostet jährlich um die drei Millionen Euro, bei den Werftaufenthalten alle zwei Jahre kommt schnell die eine oder andere Million dazu. Abgeordnete hatten in Gesprächen mit dem Marine-Chef aber immer den Eindruck, dass Schimpf den Traditionssegler retten will.

Im Parlament müsste er kaum Widerspruch fürchten. Selbst Wehrpolitiker der Opposition sagen, irgendwie müsse die Marine ja ihre Landratten heranführen ans Leben auf See, in Grenzbereiche. Manche finden sogar, dass der Dreimaster in seiner alten Rolle als schwimmende Werbemaßnahme um so mehr gebraucht wird, als die Armee jetzt mit Attraktionen aller Art um Freiwillige buhlen muss. Dafür müssten aber wohl Ausbildung und Sicherheit an Bord so verändert werden, dass die Tour auf den Weltmeeren nicht mehr als mutwillig lebensgefährlich erscheint. Das Schiff, sagt die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff, müsse „aus den Schlagzeilen“ – den negativen nämlich.

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