Politik : Schulterschluß mit den Serben

GERD HÖHLER

ATHEN .Mit "Satan" habe man es zu tun, donnerte der Gottesmann, einem "Dämon" und "transatlantischen Faschisten".Wen er geißelte, sagte der Geistliche nicht, aber die Zuhörer in Thessaloniki wußten, gemeint war US-Präsident Clinton.Da ereiferte sich nicht etwa ein Provinzpope, sondern Christodoulos, Erzbischof von Athen, das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche.

Der Krieg im Kosovo hat in Griechenland alte Feindbilder wiederbelebt.Caféhausdebatten, aber auch Zeitungskommentare und TV-Diskussionsrunden werden beherrscht von den "imperialistischen USA", die sich die NATO zum "Werkzeug" machen.Auch Deutschland ist Thema: Die "deutschen Schweine", so der Teilnehmer einer Talkrunde, sähen nun die Chance, Revanche zu nehmen für ihre Niederlage im Zweiten Weltkrieg und auf dem Balkan einzumarschieren.

Nur Gutes dagegen hört und liest man über das "leidgeprüfte serbische Volk", wie es im griechischen Staatsfunk ERA hieß.Kein Zweifel: Im Kosovo-Konflikt schlägt das Herz der meisten Griechen für die Serben.Ihnen fühlt man sich als Waffenbrüdern aus den beiden Balkankriegen verbunden.Auch das gemeinsame Bekenntnis zum orthodoxen Glaube verbindet.Zumal in einer Zeit, da sich viele Griechen von einem "islamischen Bogen" eingeschnürt fühlen.Für die Kosovo-Albaner gibt es wenig Mitgefühl.

Wohl als Reaktion auf einen Mahn-Brief Clintons verurteilte Simitis jetzt das Vorgehen der Serben: "Diese Aktionen müssen sofort aufhören." Doch für die Bombardements der NATO kann er sich immer noch nicht erwärmen.Mit Waffengewalt, so Simitis, lasse sich das Problem nicht lösen.Die Diplomatie gehöre in den Mittelpunkt.

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