Schuss im Gerichtssaal : Fall Marwa El-Sherbini: Ermittlungen gegen Polizisten eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat das Ermittlungsverfahren gegen den Bundespolizisten eingestellt, der den Ehemann der ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini irrtümlich im Gerichtssaal angeschossen hatte.

Dem Beamten könne weder eine vorsätzliche noch eine fahrlässige Körperverletzung angelastet werden, teilte die Behörde am Dienstag in Dresden mit. El-Sherbinis Mann Elwy Okaz hatte am 1. Juli mit dem Russlanddeutschen Alex W. gerungen, der zuvor in einem Dresdner Gerichtssaal wie von Sinnen auf die Frau eingestochen hatte. In dem Moment kam der Polizist in den Raum. Er hielt Elwy Okaz für den Angreifer und schoss ihm in den Oberschenkel.

Alex W. hatte sich wegen Beleidigung vor Gericht verantworten müssen. Er hatte Marwa El-Sherbini auf einem Spielplatz mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt. Im Berufungsprozess zückte er das Messer und tötete die 31 Jahre alte schwangere Frau. Alex W. wurde am 11. November wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt .

Die Situation sei für den Polizisten „sehr schwer zu überschauen“ gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sowohl Alex W. als auch Elwy Okaz seien „stark blutverschmiert“ gewesen. Der Ägypter habe dem 28 Jahre alten Mörder gerade den Messergriff aus der Hand zwingen können, „so dass er scheinbar derjenige war, der die Waffe führte“. Dem Polizisten seien nur wenige Sekunden zum Eingreifen geblieben. Er habe sich auf tragische Weise geirrt. Fahrlässigkeit oder böse Absicht könnten ihm nicht vorgeworfen werden. Sein „beherztes Eingreifen“ habe vielmehr zum Ende der mörderischen Attacke geführt.

Der Polizeihauptkommissar war damals mit zwei Kollegen zufällig im Landgericht gewesen; sie sollten in einem anderen Prozess eine Aussage machen. Als sie Lärm hörten, eilten sie an den Tatort. (dpa)

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