Politik : Schwangere Ministerin löst in Spanien Diskussionen aus

Madrid - „Zu Befehl, Frau Ministerin!“ Mit diesen Worten empfingen spanische Soldaten ihre Verteidigungschefin Carme Chacón in Afghanistan. Die 37-jährige Sozialistin schritt bei ihrem Kurzbesuch des spanischen Stützpunkts in Herat eine Ehrenformation ab, sie übermittelte den Militärs die besten Grüße von König Juan Carlos, und sie aß zusammen mit den Soldaten in der Feldküche von Plastiktellern.

Die im siebten Monat schwangere Ministerin tat alles, ihrer Visite einen Anschein von Normalität zu verleihen. Dabei war ihre Reise keineswegs eine Routine-Sache. Chacón ist nicht nur die erste Frau an der Spitze des spanischen Verteidigungsministeriums, sondern sie ist auch weltweit die erste Leiterin eines solchen Ressorts, die ein Kind erwartet. Konservative Kreise hatten bereits Zweifel daran geäußert, ob die Ministerin ihr Amt mit der Mutterrolle vereinbaren können wird.

„Man braucht sich nur die absurde Situation vorzustellen, dass unsere Hubschrauber in Afghanistan abgeschossen oder spanische Geheimagenten im Irak ermordet werden – und die Ministerin sich gerade im Mutterschaftsurlaub befindet“, schrieb die rechtsliberale Zeitung „El Mundo“.

Chacón, die erst eine Woche im Amt ist, hatte sich vor ihrer Reise das Einverständnis ihrer Ärzte eingeholt. „Ich würde niemals mein Kind in Gefahr bringen“, sagte sie mitreisenden Reportern. „Der Wahlkampf (vor der Parlamentswahl am 9. März) war viel härter als diese Reise.“ Um jedes Risiko auszuschließen, begleiteten drei Militärärzte – ein Gynäkologe, ein Anästhesist und ein Kinderarzt – die Ministerin. Bei Frauen im achten und neunten Monat der Schwangerschaft raten Mediziner von längeren Flugreisen ab.

Die Politikerin, die sich selbst einmal als Pazifistin bezeichnet hatte, machte gar nicht erst den Versuch, sich mit einem militärischen Tonfall bei den Soldaten anzubiedern. Mit sanfter und leiser Stimme sprach sie davon, dass sie für den Einsatz der 780 spanischen Soldaten in Afghanistan „Respekt, Bewunderung und Stolz“ empfinde. Die Militärs nahmen den Kurzbesuch positiv auf. dpa

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben