Politik : Schwanz ab

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Von Matthias Meisner

Die 100 reichsten Deutschen sind politisch total korrekt. Zu sehen sind sie auf dem Wahlkampfplakat der PDS, das die Parteivorsitzende Gabi Zimmer am Freitag vorstellte. „Umsteuern“ steht darauf - die PDS will so eine Steuerreform fordern, die das große Geld nicht ausspart.

Die Vorsitzende der grünen Konkurrenz hat dagegen Sorgen mit einem Plakat. Dabei fand die Grünen-Chefin Claudia Roth die Idee „ganz witzig“. Wenigstens auf den ersten Blick. Eine Frau auf einem Bürostuhl, den Pferdeschwanz über der Rückenlehne – dieses Motiv mit dem Slogan „Schwänze an die Macht“ hatte die Werbeagentur „Die Goldenen Hirschen“ den Grünen vorgeschlagen. Die Hälfte der Macht für Frauen, so steht es im Wahlprogramm. Und das sollte flott rübergebracht werden.

Doch höchstwahrscheinlich wird das Plakat nie gedruckt. „Erstmal zurückgestellt“ sei es, wird aus der Parteizentrale bestätigt. Es setzten sich die durch, die glaubten, der „Reizbegriff Schwanz“ könne Mitglieder vergrätzen. Einige hatten von dem Entwurf Wind bekommen und sich über die „sexistische“ Anmutung und „missverständliche“ Botschaft beschwert. „Der Kalauer war es nicht wert, dass die Partei verärgert wird“, erläutert einer aus dem Vorstand. „Da haben wir auch eine Fürsorgepflicht“.

Von einem heftigen Disput über das Werbemittel soll keine Rede sein. Aber bestätigt wird aus dem Vorstand, dass das Schwanz-Plakat durchaus prominente Fürsprecher in der Spitzenmannschaft hatte. Kerstin Müller, die Fraktionssprecherin, gehörte dazu. Und vor allem der Spitzenkandidat Joschka Fischer war ganz begeistert.

Fischer hat den Entwurf nun erstmal an der Tür seines Bundestags-Büros aufgehängt. Die Wahlkampf-Strategen derweil haben sich anders entschieden. „Die Hälfte der Macht den Männern“, heißt es nun. Dazu liegt ein Macho mit bloßem Oberkörper auf dem Sofa. Die ersten Parteifreundinnen haben schon in Berlin protestiert.

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