Politik : Schwarz gegen Weiß in New Orleans

Bei der Bürgermeisterwahl wird die Hautfarbe der Kandidaten immer wichtiger

Christoph von Marschall

Washington - Die Bürgermeisterwahl in New Orleans entwickelt sich zu einem Machtkampf, bei dem es um die Hautfarbe geht: Schwarz gegen Weiß. Bei der ersten Runde am vergangenen Wochenende konnte keiner der 22 Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen. Am 20. Mai kommt es zu einer Stichwahl zwischen dem farbigen Amtsinhaber Ray Nagin und Mitch Landrieu, bisher Louisianas Vizegouverneur. Er entstammt einer einflussreichen Politikerfamilie – seine Schwester ist Senatorin, sein Vater war vor 1978 der letzte weiße Bürgermeister von New Orleans. Er hat gute Chancen, nach 28 Jahren als erster Weißer die Stadt zu regieren.

Nagin erzielte 38 Prozent, Landrieu 28, kann aber darauf rechnen, dass die meisten Wähler des drittplatzierten weißen Geschäftsmannes Ron Forman im Stichentscheid für ihn stimmen.

Die Wahl zeigte, wie sehr die Stadt auch acht Monate nach „Katrina“ unter den Folgen des Hurrikans leidet. Nur die Hälfte der früher rund 480 000 Einwohner ist zurückgekehrt, viele Viertel liegen verlassen da, der Wiederaufbau kommt schleppend voran; für manche Gegenden wie die völlig zerstörte Lower Ninth Ward, wo die einfachen Einfamilienhäuser armer Schwarzer standen, ist er nicht geplant, auch wenn die Politiker das kaum offen zugeben. Ihre Formel: Die Einwohner selbst entscheiden durch ihre Rückkehr oder ihr Wegbleiben, wo die Infrastruktur zuerst repariert wird. Man rechnet, dass sich der Anteil der schwarzen Bevölkerung von früher 70 auf unter 50 Prozent reduziert.

20 000 hatten per Briefwahl von Florida, Texas und anderen Staaten aus abgestimmt. Tausende fuhren zum Teil hunderte Kilometer zu den Wahllokalen. Die Beteiligung in den weißen Vierteln war höher als in den schwarzen Gegenden.

Noch zu Jahresbeginn hätte kaum jemand auf Bürgermeister Ray Nagin gesetzt. Durch schlechtes Management während des Hurrikans und die Konfrontation mit der Bundesregierung hatte er seinen Ruf eines moderaten Reformers verspielt, der mit Korruption, Drogen und Kriminalität aufräumt. 2002 hatte er gewonnen, weil er weiße Wähler gewann. Sie sind von ihm enttäuscht. Sein Versprechen, er wolle, dass New Orleans eine „chocolate city“ bleibe, eine schwarze Stadt, hat viele zusätzlich verärgert.

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