Schwarzbrenner am Bosporus : Immer mehr Alkohol-Tote in der Türkei

In den vergangenen Wochen sind in der Türkei insgesamt zwölf Menschen durch illegalen Alkohol vergiftet worden. Die Panscher locken die hohen Gewinnspannen. Tourismusminister Ertugrul Günay will durch Steuersenkungen auf inländischen Alkohol das Problem in den Griff bekommen.

Susanne Güsten[Istanbul]

IstanbulEine ganze Ladung mit Flaschen des türkischen Nationalschnaps Raki, die einfach so im Straßengraben lag - diese Versuchung war unwiderstehlich für eine Gruppe junger Türken in der Nähe der Stadt Bursa im Nordwesten des Landes. Sie nahmen sich ein paar Flaschen mit und tranken sie. Doch die billige Saftour endete für zwei junge Leute tödlich, denn der Raki war gepanscht und enthielt eine große Menge an giftigem Methanol. Offenbar war der Schnaps von Schwarzbrennern auf der Flucht vor der Polizei hastig abgeladen worden.

Neben den beiden jungen Männern starben in den vergangenen Wochen noch sechs weitere Raki-Liebhaber im Großraum Bursa an gepanschtem Schnaps. Ein Mann im westtürkischen Izmir verlor sein Leben, nachdem er schwarz gebrannten Wodka getrunken hatte - zusammen mit den drei deutschen Realschülern, die Ende März im südtürkischen Urlaubsort Kemer bei Antalya zu Opfern von gepanschtem Schnaps wurden, sind in den vergangenen Wochen insgesamt zwölf Menschen durch illegalen Alkohol vergiftet worden. "Wieder illegaler Raki - wieder Tote", kommentierte der Nachrichtensender CNN-Türk.

Behörden warnen die Öffentlichkeit

Aufgeschreckt durch die immer neuen Todesfälle, haben die Behörden die Kontrollen und ihre Warnungen an die Öffentlichkeit verstärkt. Kunden sollten beim Kauf auf die Unversehrtheit der Steuerbanderolen auf Alkoholflaschen achten und alle Flaschen meiden, deren Etiketten zerrissen oder schmutzig seien, erklärte die Kontrollbehörde für den Alkoholmarkt. Besondere Vorsicht ist demnach in Restaurants und Hotels angebracht, in denen Raki oder anderer Alkohol offen ausgeschenkt wird. Insbesondere in Bursa, Izmir und im Raum Antalya seien die Kontrollen verschärft worden.

Doch Justiz und Polizei müssen sich vorwerfen lassen, selbst nach einem tödlichen Raki-Skandal vor vier Jahren sehr nachlässig mit dem Thema umgegangen zu sein. So machte am Montag der Fall eines Alkohol-Panschers Schlagzeilen, der zwar schon zehnmal gefasst wurde - der aber nie ins Gefängnis musste.

"Methonal-Osman" muss nicht ins Gefängnis

Von der Zeitung "Vatan" wurde der Mann "Methonal-Osman" genannt. Osman B. habe seinen Raki-Fusel für umgerechnet etwa 2,50 Euro pro Liter an kleine Läden verkauft - damit wird klar, wo das Motiv der türkischen Schwarzbrenner liegt: in den hohen Gewinnspannen. Offiziell kostet eine 0,7-Litreflasche Raki etwa zehn Euro. Gegner der islamisch geprägten Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisieren seit langem, der Staat erhebe absichtlich hohe Steuern auf Alkohol, um die Türken vom Trinken abzuhalten.

Das soll sich nun ändern. Tourismusminister Ertugrul Günay kündigte an, die Steuern auf inländischen Alkohol wie Raki, aber auch Wein, würden in Kürze gesenkt. "Ich glaube, mit den Steuersenkungen werden wir der Alkohol-Panscherei Herr", sagte Günay. Für die drei deutschen Realschüler und die neun türkischen Alkohol-Opfer der jüngsten Zeit kommt diese Initiative jedoch zu spät. 

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