• ''Schwarzbuch Wehrpflicht'': Evangelische Kirche fordert Einführung einer Freiwilligenarmee

''Schwarzbuch Wehrpflicht'' : Evangelische Kirche fordert Einführung einer Freiwilligenarmee

Die hannoversche Landesbischöfin Käßmann hat die Abschaffung der Wehrpflicht verlangt. Angesichts steigender Ungerechtigkeit bei der Einberufung junger Männer sei eine Lösung, die auf Pflicht angelegt sei, nicht mehr tragbar.

HannoverInzwischen werde mehr als die Hälfte aller junger Männer ausgemustert, so dass von Wehrgerechtigkeit keine Rede mehr sein könne, erklärten die Zentralstelle der Kriegsdienstverweigerer (KDV) und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) in Hannover. Aus der Bundeswehr solle deshalb eine reine Freiwilligenarmee werden. Der Zivildienst könne durch freiwilliges soziales Engagement ersetzt werden. Zugleich stellten die beiden Organisationen ein "Schwarzbuch Wehrpflicht" vor.

Die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, verwies darauf, dass von 430.000 Männern eines Jahrgangs derzeit nur 65.000 für den Wehrdienst gebraucht werden. Ihnen könne niemand mehr erklären, dass gerade sie dienen müssten, während andere längst in Ausbildung, Studium oder Beruf seien. Das "Schwarzbuch" wurde mit Hilfe von 4000 Einträgen auf einer Internet-Plattform erstellt, an die sich junge Männer mit Problemen bei der Wehrpflicht richten konnten.

Kirche: Mehr Anfragen als Plätze für Soziales Jahr

Zugleich äußerte sich Käßmann überzeugt, dass das Freiwilligen-Prinzip ausreichen könne. "Wenn der Staat zu freiwilligem Engagement motiviert, wird die Mehrheit der jungen Leute mitmachen", sagte die Bischöfin. aej-Generalsekretär Mike Corsa verwies darauf, dass es schon jetzt bei der Kirche deutlich mehr Anfragen nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr als Plätze gebe. Wegen der stark verkürzten Dienstzeit seien die Zivildienstleistenden für die meisten Einrichtungen bereits uninteressant geworden. "Wir bauen massiv Zivi-Stellen ab, das macht keinen Sinn mehr."

Die Bundestagsfraktion der Grünen sah sich durch das "Schwarzbuch" in ihrer Forderung nach einer Abschaffung der Wehrpflicht bestätigt. Die Eingriffe in die Grundrechte und Lebensplanung junger Männer sei nicht mehr zu rechtfertigen. Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels wertete das "Schwarzbuch" als Beweis dafür, dass es ein "Weiter so" bei der Wehrpflicht nicht geben könne. Die SPD will die Bundeswehr zu einer Freiwilligenarmee machen. Die Wehrflicht soll nur noch auf dem Papier bestehen bleiben. Der Koalitionspartner CDU/CSU lehnt dies ab. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben