• Schwarze Liste wegen "Bedrohung für die nationale Sicherheit": Ukraine boykottiert russische Künstler und Gérard Depardieu

Schwarze Liste wegen "Bedrohung für die nationale Sicherheit" : Ukraine boykottiert russische Künstler und Gérard Depardieu

Ist Gérard Depardieu eine Gefahr für die nationale Sicherheit? Wenn es nach dem ukrainischen Kulturministerium geht: ja. Im Konflikt mit Separatisten hat Kiew 14 Künstler auf eine schwarze Liste gesetzt. Darunter auch den Wahlrussen.

Gérard Depardieu.
Er war mal Obelix, jetzt steht Gérard Depardieu auf der schwarzen Liste - als Gefahr für die nationale Sicherheit.Foto: dpa / Franck Robichon

Das ukrainische Kulturministerium hat 14 russische Künstler, unter ihnen den französischen Filmstar und Wahlrussen Gérard Depardieu, auf eine schwarze Liste gesetzt. Kiew schätzt sie als "Bedrohung für die nationale Sicherheit" ein, weil sie Moskau-freundlich seien. Deshalb dürfen sie künftig in der Ukraine weder im Fernsehen noch im Radio noch im Kino zu sehen oder zu hören sein.

Die Lizenzen für die Filme, in denen die Künstler zu sehen sind, werden demnächst von der zuständigen ukrainischen Agentur eingezogen, wie die Ministeriumssprecherin Daryna Gluschtschenko der Nachrichtenagentur AFP sagte. Das Verbot gilt auch für Filme aus der Sowjetzeit, in denen der russische Schauspieler, Sänger und Fernsehmoderator Michail Bojarski mitspielt. Die rechte ukrainische Regierung wirft ihm vor, einen offenen Brief unterzeichnet zu haben, in dem die Eingliederung der Schwarzmeerhalbinsel Krim in die Russische Föderation im März 2014 unterstützt wird.

Ein weiterer Künstler, der unter das Verbot fällt, ist der populäre Sänger und Abgeordnete Jossif Kobson, in Russland der "Frank Sinatra der UdSSR" genannt. Der 77-Jährige ist bereits von Strafmaßnahmen der Europäischen Union wie Reisebeschränkungen und Kontoeinfrierungen betroffen, die im Februar verhängt wurden. Bei den meisten anderen russischen Künstlern handelt es sich ebenfalls um Schauspieler und Sänger. Kiew beschuldigt sie unter anderem, die bewaffneten Rebellen in der Ostukraine zu unterstützen, die dort gegen die Regierungstruppen und die mit ihnen verbündeten ultrarechten Einheiten kämpfen.

Ukraine kritisiert Depardieus prorussische Stellungnahme

Ende Juli hatte die Regierung in Kiew Depardieu bereits zur unerwünschten Person erklärt und mit einem fünfjährigen Einreiseverbot verhängt - offenbar aus Verärgerung über seine prorussischen Stellungnahmen. Der 66-jährige Star ist der ukrainischen Führung wegen seines freundschaftlichen Verhältnisses zum russischen Präsidenten Wladimir Putin ohnehin suspekt. Aus Ärger über die hohen französischen Steuern war Depardieu Ende 2012 zunächst nach Belgien umgezogen. 2013 nahm er die russische Staatsbürgerschaft an, die ihm Putin persönlich angeboten hatte. Seine Steuererklärung soll der Schauspieler im vergangenen Jahr in der russischen Teilrepublik Mordowien abgegeben haben, wo er offiziell gemeldet ist.

Der ukrainische Geheimdienst prüft derzeit eine „schwarze Liste“ mit über 500 ausländischen Künstlern. Der Menschenrechtsbeauftragte beim Kreml, Michail Fedotow, kritisierte in Moskau, die Ukraine habe „jedes Maß und Ziel verloren“. Der russische Abgeordnete Franz Klinzewitsch von der Regierungspartei Geeintes Russland verurteilte die Liste als Bestrafung kritischer Menschen. „Ihre ganze Schuld besteht darin, dass sie sagen, was sie denken“, sagte er der Agentur Tass zufolge. (AFP/dpa)


26 Kommentare

Neuester Kommentar