Politik : Schwarze terrorisieren Farmbesitzer trotz Mugabe-Appell

Wolfgang Drechsler

In Simbabwe werden Benzin und Energie knapp. Viele verängstigte Simbabwer fürchten, dass ihnen der anhaltende Benzinmangel im Notfall den Weg nach Beit Bridge, zur Grenzstation nach Südafrika, versperrt. Doch bereits jetzt haben vor dem Hintergrund der anhaltend gewalttätigen Farmbesetzungen Tausende Weiße, aber auch Hunderte Schwarze ihre Habseligkeiten verkauft und das Land verlassen.

Viele weiße Simbabwer mit dem Anrecht auf einen britischen Pass strömen in diesen Tagen ins britische Hochkommissariat, um ihren Namen für den Fall einer Evakuierung registrieren zu lassen oder um die vor Jahren aufgegebene Staatsbürgerschaft zurückzubekommen. Andere, die kein solches Recht genießen, haben ein Ferienvisum für Südafrika beantragt. Australien gewährt Simbabwern seit gestern ein Spezialvisum, dass ihnen die Aufnahme dort erleichtert. Ähnliche Visa hatte die australische Regierung bereits während des Kosovokrieges und der Timor-Krise erteilt.

Simbabwes weiße Bevölkerung, die 1974 mit 290 000 auf ihren Höchststand kletterte (gegenüber damals 5 Millionen Schwarzen) ist heute bei rund 12,5 Millionen Menschen unter 70 000 gefallen. Den etwa 100 000 weißen Rhodesiern, die anläßlich der Unabhängigkeit vor 20 Jahren nach Südafrika emigrierten, sind mehr als eine Millionen schwarze Simbabwer gefolgt, darunter rund 20 000 ausgebildete Ärzte und andere Fachkräfte, die am Kap sechsmal mehr als im eigenen Land verdienen können. Auch trotz der Versicherung von Präsident Mugabe, gegen Gewalttäter vorzugehen, haben Gruppen angeblicher "Kriegsveteranen" auch am Osterwochende den Druck auf die weißen Farmer verstärkt, vor allem wenn sie glauben, der Landwirt sei ein Sympathisant der Bewegung für demokratischen Wandel. Während internationale TV-Anstalten erneut Bilder einer brennenden Farm zeigten und über ein Geiseldrama berichteten, unterschlug das Staatsfernsehen beide Zwischenfälle. Besonders entlarvend war die Äußerung eines Besetzers, der die Einnahme der Farm vor laufender Kamera damit rechtfertigte, der Farmer habe die Opposition unterstützt. Und die anderen südafrikanischen Führer zeigten beim Gipfeltreffen mit Mugabe wenig Neigung, die explosive Lage Simbabwes zu diskutieren. Selbst bei groben Menschenrechtsverstößen, so Beobachter, kritisieren sich afrikanische Führer nie gegenseitig.

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