Politik : Schwarzer Montag für den blauen Dunst

Die französischen Zigarettenhändler streiken gegen die Erhöhung der Tabaksteuer – und die Raucher qualmen illegale Importe

Sabine Heimgärtner[Paris]

Schon am frühen Morgen sind verstörte Menschen durch die Straßen der französischen Hauptstadt geeilt, in der Hoffnung, einen offenen Tabakladen zu finden. Die Chance war gering: Zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs blieben die Tabakläden geschlossen. Wer sich in dem Land, in dem es keinen einzigen Zigarettenautomaten gibt, nicht am Wochenende vorsorglich eingedeckt hatte, ging leer aus.

Frankreichs Tabakhändler sind in den Streik getreten, weil sie um ihre Existenz fürchten. Zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöhte die Regierung die Tabaksteuer um knapp 30 Prozent, um der mit 14 Milliarden Euro verschuldeten staatlichen Krankenkasse unter die Arme zu greifen. Am 1. Januar 2004 folgt ein dritter Preisanstieg: Das Päckchen Zigaretten wird dann fast doppelt so viel kosten wie vor einem Jahr – 5,50 Euro, und das in Frankreich, wo das Bild vom schnauzbärtigen Gauloise-Raucher mit Baskenmütze auf dem Kopf und dem Glas Pastis in der Hand mehr ist als ein liebenswertes Klischee.

„Die Regierung gräbt uns das Wasser ab“, schimpfen die Händler, die normalerweise sechs Prozent am Päckchen verdienen und nun mindestens acht Prozent verlangen, weil die Umsätze seit Anfang 2003 um rund zehn Prozent geschrumpft sind und immer mehr Kunden abwandern: in die benachbarten Zigarettenparadiese, vor allem Deutschland, Italien und Spanien. Dort, einen Steinwurf vom französischen Baskenland entfernt, kostet die Schachtel 2,25 Euro. Seit Monaten organisieren sich Raucher mit Freunden und Nachbarn, machen den Ausflug über die Grenze und kehren mit gefüllten Kofferräumen zurück. In den Grenzregionen klagen die Händler über Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent. Rund zehn Prozent der Läden haben Pleite gemacht.

Obwohl die Regierung den Tabakladenbesitzern zur Kompensation ihrer Verluste Entschädigungen in Höhe von 150 Millionen Euro angeboten hat, scheint die Rechnung nicht aufzugehen und die Stimmung zu kippen. In 60 Großstädten gingen die Händler am Montagnachmittag auf die Straße. Zwischen Nizza und Monaco blockierten sie die Autobahn, und auf der Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl wurden Autofahrer mit Bergen von Zigarettenfiltern auf der Fahrbahn an der Weiterfahrt gehindert.

Indessen zweifeln immer mehr Fachleute am Nutzen: Zwar soll die zusätzliche Tabaksteuer künftig elf Milliarden Euro jährlich in die Regierungskassen spülen. Dennoch will sich das erhoffte Ergebnis nicht einstellen. Der lebenslustige Franzose raucht neuerdings illegalen Stoff: Im ersten Halbjahr wurden mit 92 Tonnen geschmuggelter Zigaretten knapp 50 Prozent mehr illegal eingeführter Glimmstängel vom Zoll beschlagnahmt als im Vorjahr. Das, so die zuständigen Beamten, sei bestimmt nicht alles gewesen.

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