Schweden : Mythos Atomkraft

Die Schweden glaubten lange, ihre Atomkraftwerke seien besonders sicher. Nach dem Stresstest der EU hat nun auch jedoch auch ein Bericht von Greenpeace gravierende Mängel offengelegt.

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Auch das Atomkraftwerk Ringhals in Varberg gilt als unischer.
Auch das Atomkraftwerk Ringhals in Varberg gilt als unischer.Foto: dpa

Stockholm - Greenpeace hat die sofortige Schließung aller drei überwiegend vom staatlichen Energiekonzern Vattenfall betriebenen schwedischen Kernkraftwerke verlangt. Die Umweltschutzorganisation hat einen Bericht vorgelegt, wonach das Risiko für eine Atomkatastrophe in Schweden „allgegenwärtig“ ist. Die „sehr alten“ Reaktoren der Werke in Ringhals, Forsmark und Oskarshamn, die in den 70er und 80er Jahren errichtetet wurden, seien wegen umfangreicher technischer Mängel und einer schlechten Sicherheitskontrollkultur eine große Gefahr für die Bevölkerung in Schweden und seine Nachbarländer, hieß es im Bericht. Einer der von Greenpeace untersuchten Störfälle ist aus dem Juli 2006. Im Kernkraftwerk Forsmark sorgte ein Kurzschluss dafür, dass zwölf unterschiedliche Sicherheitssysteme kollabierten und zwei von vier Reservestromsystemen für die Reaktorkühlung versagten. Der Störfall wurde als Kategorie-1-Ereignis eingestuft – das gefährlichste.

Insgesamt hatte die Organisation sechs bekannte Vorfälle von externen Experten überprüfen lassen. „Es ist ein Mythos bei uns, dass schwedische Atomkraft sicher ist. Schwedische Atomkraftwerke sind alt und haben große Sicherheitsprobleme. Es fehlt an Personal und Kompetenz, und Störfälle ereignen sich ständig“, warnte Rolf Lindahl, Atomkraftexperte und Mitverfasser des Greenpeace-Berichtes. „Wir sind selbst sehr erschrocken, welch massive Mängel unsere Studie zutage gefördert hat“, sagte Greenpeace-Sprecherin Martina Krüger. Auch im Stresstest der EU hieß es, dass Ringhals ungenügend gegen Überschwemmungen und Erdbeben geschützt sei. Laut Greenpeace sind die beiden anderen Akw, Oskarshamn und Forsmark, ebenfalls schlecht auf Naturkatastrophen vorbereitet. Und auch der Schutz gegen Terroranschläge sei mangelhaft. Zahlreiche Störfälle sollen den Behörden zudem nie gemeldet worden sein. André Anwar