Schweden : Verhaftet nach Schilderklau in Auschwitz

Die Festnahme von Anders Högström wegen des Diebstahls des Auschwitz-Schildes erstaunt die Schweden. Der ehemalige Neonaziführer wurde jahrelang für seinen Ausstieg und sein Engagement gegen Rechtsextremismus mit Preisen überhäuft.

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„War alles nur eine Fassade?“, fragt sich das Land nun nach der überraschenden Festnahme Högströms in Stockholm. Die Polizei verhaftete den 34-Jährigen, weil er Initiator des Diebstahls des Eingangsschriftzugs („Arbeit macht frei“) der Gedenkstätte für das Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein soll. Schweden folgte damit dem internationalen Haftbefehl der polnischen Polizei von Mitte Januar. Die Tat geschah am 18. Dezember. In Polen wurden bereits fünf Kleinkriminelle für ihre Beteiligung am Diebstahl verhaftet. Ihnen soll Högström viel Geld versprochen haben, ihre Aussagen führten auf seine Spur.

Die Bestürzung ist nun groß. Antifaschismus- und Homosexuellenorganisationen überhäuften den vorgeblich geläuterten Neonazi jahrelang öffentlich mit Preisen für sein Engagement. Selbst Mitglieder der Regierung und des Königshauses lobten ihn, weil er nach seinem spektakulären Ausstieg aus der militanten „Nationalsozialistischen Front“ (NSF) vor einem knappen Jahrzehnt öffentlich deren Ideologie verurteilte und sich im Anschluss, trotz massiver Morddrohungen, aktiv gegen Rechtsextremismus engagierte.

Kurz vor dem Eingang des polnischen Haftbefehls hatte Högström einer Boulevardzeitung gegenüber beteuert, dass er derjenige gewesen sei, dem maßgeblich die Festnahme der polnischen Täter zu verdanken sei. Er zeichnete sich als Mann, der noch einmal, nach fast einem Jahrzehnt, in die Naziszene eingetaucht war, um wieder der Held zu sein. Björn Fries, ehemaliger sozialdemokratischer Politiker und mit Högström durch gemeinsame Aktionen in Schulen bekannt, glaubt dagegen nicht, dass Högströms Absprung aus der Naziszene nur Fassade war. Neonazis hätten ihn damals wirklich gehasst. Högström sei für ihn ein lieber Mensch, der noch sehr jung auf die falsche Bahn geriet.

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