Politik : Schwedens Justiz hat vierzehn Tage Zeit

Mutmaßlicher Lindh-Mörder in Untersuchungshaft / Ermittler müssen innerhalb von zwei Wochen weitere Beweise vorlegen

Andre Anwar/Sven Lemkemeyer

Stockholm/Berlin. Gut zwei Wochen nach dem Mord an Außenministerin Anna Lindh hat die schwedische Justiz eine zweiwöchige Untersuchungshaft für den mutmaßlichen Attentäter angeordnet. Psychiater sollen ein Gutachten über den am Mittwoch festgenommenen 24-jährigen Mann erstellen. Die Ermittler haben bis zum 10. Oktober Zeit, weitere Beweise zusammenzutragen.

Schwedische Medien hatten berichtet, der Mann sei durch seinen genetischen Fingerabdruck überführt worden. Die Agentur TT berichtete unter Berufung auf Ermittler, es sei „glasklar“, dass er der Mörder sei. Der Mann streitet die Tat ab. Polizeisprecherin Stina Wessling sagte, die Polizei werde sich erst zu den Beweismitteln äußern, wenn der Verdächtige formell angeklagt sei.

Schwedische Medien berichteten am Freitag, der aus dem früheren Jugoslawien stammende Mann habe gegenüber Bekannten seinen speziellen Hass auf Lindh zum Ausdruck gebracht. Nach Angaben der Zeitung „Svenska Dagbladet“ wurde er erst fünf Tage vor dem Messerattentat aus stationärer psychiatrischer Behandlung entlassen. Er sei wegen Gewalttaten drei Mal vorbestraft. Der Anwalt des Mannes, Peter Althin, kritisierte, dass der Haftrichter Göran Nilsson bei der Verkündung der Untersuchungshaft die Identität seines Mandanten preisgegeben hatte. Die als seriös geltende Zeitung „Dagens Nyheter“ veröffentliche am Freitag im Internet ein Foto und den vollen Namen des Mannes.

Bereits im Fall des zunächst verdächtigten 35-Jährigen hatte es Kritik an der Berichterstattung gegeben. Sein Anwalt Gunnar Falk sagte dem Tagesspiegel am Freitag: „Wir werden Schadenersatz vom Staat und den Medien fordern. Mein Mandant ist seelisch am Ende. Er kann noch nicht wirklich fassen, was alles aus seiner Intimsphäre preisgegeben wurde.“ Kritik kam auch von mehreren Experten. Hans-Gunnar Axberger, Professor für Medienrecht an der Universität Stockholm, sagte dem Tagesspiegel: „So weit sind die Medien bei den Verdächtigen im Mordfall Olof Palme nie gegangen. Hier sind die ethischen Grenzen eindeutig überschritten worden.“

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