Schweinegrippe : Käufer für Impfstoff gesucht

Die Länder wollen vom Hersteller weniger Serum gegen die Schweinegrippe abnehmen, als sie bestellt haben.

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Berlin - Nach Frankreich hofft auch Deutschland, überschüssigen Schweinegrippe-Impfstoff an andere Länder verkaufen zu können. Die relativ geringe Impfbereitschaft in der Bevölkerung, aber auch die neueren Impfempfehlungen führen dazu, dass mehrere europäische Länder auf ihren bestellten Vorräten sitzen zu bleiben drohen: So ist statt der ursprünglich geplanten zwei Impfungen nur noch eine notwendig, um einen ausreichenden Schutz vor der Grippe zu gewährleisten. Die Bestellungen bei den Pharmakonzernen waren jedoch schon frühzeitig aufgegeben worden, als dies noch nicht klar war. In Deutschland führt dies dazu, das rechnerisch etwa zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden könnten – und nicht nur ein Drittel, wie ursprünglich geplant.

Bei einem Treffen mit dem Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline an diesem Donnerstag wollen die Gesundheitsminister der 16 Bundesländer daher über eine Verringerung der Liefermengen verhandeln. Sie dringen darauf, nur noch die Hälfte der 50 Millionen bestellten Impfdosen abnehmen zu müssen. Auch bei einer reduzierten Menge sei für die nächste zu erwartende Grippewelle immer noch genügend Impfstoff für die Bevölkerung vorhanden, versichert der Sprecher der niedersächsischen Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU), die seit Anfang des Jahres die Arbeit der Länder koordiniert. Auch der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums sagte, die Länder würden weiter ein ausreichendes Impfangebot gewährleisten. Bisher haben sich nach Schätzungen erst rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung gegen die Schweinegrippe impfen lassen.

Wenn größere Mengen des bestellten Impfstoffs übrig bleiben, drohen den Ländern Kosten in Millionenhöhe. Der Bund hatte zwar mit den Krankenkassen vereinbart, dass sie bis zu einer Summe von einer Milliarde Euro die Kosten übernehmen – allerdings nur für die tatsächlichen Impfungen. Daher hoffen mehrere Bundesländer nun auch auf Abnehmer für überschüssige Impfdosen im Ausland. Erste Anfragen gab es bereits – etwa aus dem Iran, dem Kosovo, der Ukraine und der Türkei. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, sagte der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker. Bei den Verhandlungen wollen die Länder den Bund stärker in die Pflicht nehmen. „Die 16 Bundesländer können nicht als Pharmagroßhändler agieren“, sagte Spieker. Außerdem sei der Bund bereits beim Kauf des Impfstoffs Vertragspartner gewesen. Spieker verwies darauf, dass die Bundesregierung über das Auswärtige Amt, das Entwicklungsministerium sowie das Bundesgesundheitsministerium über entsprechende Kontakte verfüge.

Die französische Regierung hat nach Angaben des Pariser Gesundheitsministeriums dem Scheichtum Katar 300 000 Impfdosen verkauft, Ägypten wolle zwei Millionen Dosen erwerben. Gespräche würden auch mit Mexiko und der Ukraine geführt, hieß es weiter. Frankreich hatte für seine knapp 64 Millionen Einwohner 94 Millionen Dosen des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe bestellt. Bis Ende Dezember hatten sich allerdings nur 4,6 Millionen Franzosen impfen lassen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) wies unterdessen am Montag Kritik von „Brot für die Welt“ an der deutschen Unterstützung im Kampf gegen die Schweinegrippe in Afrika in scharfer Form zurück. „Brot für die Welt“-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel hatte ihm in einem Interview vorgeworfen, das Ministerium habe 14 Millionen Euro für den Ankauf deutscher Impfdosen für Afrika bereitgestellt. Niebel denke von der Frage her, „was die deutsche Wirtschaft braucht“, sagte sie. Später zog die Pfarrerin die Vorwürfe zurück und entschuldigte sich für den Fehlschluss, den sie aus allgemeinen Angaben gezogen habe. Niebel hatte darauf hingewiesen, sein Ministerium habe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 14 Millionen Euro für die logistische Umsetzung von Impfkampagnen zur Verfügung gestellt, aber nicht für den Erwerb von Impfstoff. Diese Hilfe sei noch in der letzten Legislaturperiode von den SPD-Ministerinnen Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul zugesagt worden. Mehrere Industrieländer hatten Impfdosen an Entwicklungsländer gespendet, die über die WHO verteilt werden.

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