Politik : Schweinerei

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ein Zitat gefällig? „Ein Schwein in Oberösterreich sollte nicht schlechter behandelt werden dürfen als ein Vorarlberger Schwein.“ Die haben vielleicht Sorgen in der k. u. k. Republik, werden Sie denken. Aber dann denken Sie falsch. Die haben Wahlkampf, am nächsten Sonntag wird gewählt, und da hat das österreichische Gegenstück zu unserem Gerhard Schröder, ein sozialdemokratischer Herr namens Alfred Gusenbauer, aus seinem Herz für den Tierschutz keine Mördergrube gemacht. Man muss dazu wissen, dass es in Österreich kein Bundestierschutzgesetz gibt, sondern nur eins länderweise, was die oberösterreichischen Schweine den Ringelschwanz kostet, mit dem ihre Vorarlberger Artgenossen artgerecht wedeln können. Außerdem muss man sich die Couplet-Zeile aus dem Straussschen „Zigeunerbaron“ vorsummen, derzufolge der ideale Lebenszweck in „Borstenvieh und Schweinespeck“ zu finden sei, um zu erahnen, weshalb die Inaussichtstellung sozialistischer Gleichmacherei im Schweineschutzwesen eine entscheidende Finte sein könnte, an Durchschlagskraft vergleichbar dem Schröderschen Irak-Pazifismus. Überhaupt ist so ein Wahlkampf beim Nachbarn ein so befremdliches wie lehrreiches Erlebnis. Unsereiner ist ja nicht nur mit den Themen und Schlagworten nicht vertraut. Auch die Köpfe auf den Plakaten kennt man nicht. Also müssen wir unser Urteil über die abgebildeten Damen und Herren aus dem bloßen Augenschein heraus fällen. Das Urteil, es ist oft falsch. Nur als Beispiel sei genannt das offene, freundliche Gesicht eines jüngeren Mannes, den wir spontan für den künftigen Tierschutz-Beauftragten gehalten haben. Die Plakatzeile indessen belehrt uns, dass der Name dieses uns Unbekannten „für Sicherheit“ stehe. Darauf wären wir nie gekommen. Aber das wird uns etwas lehren. Wenn demnächst hier auch mal wieder Wahlkampf ist, werden wir vor den Plakaten innerlich einen Schritt zurücktreten und uns vorstellen, wie die dortigen Gesichter wohl auf politisch eher nicht so interessierte Mitmenschen wirken. Gut möglich, dass unsere Wahlprognosen danach der Wahrheit näher kommen. Robert Birnbaum

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