Politik : Schweizer Banken kauften weitaus mehr Nazi-Gold als vermutet

Zwischenbericht der Berner Historikerkommission Internationale Konferenz beginnt heute in London BERN/WASHINGTON (AFP/rvr/rtr).Schweizer Privatbanken haben im Zweiten Weltkrieg wesentlich mehr Gold vom Nazi-Regime gekauft als bisher angenommen.Dies geht aus dem Bericht der Historikerkommission hervor, der am Montag in Bern veröffentlicht wurde, einen Tag vor Beginn der internationalen Nazigold-Konferenz in London.Die Privatbanken erwarben Gold im damaligen Wert von 61,2 Millionen Dollar (heute: 600 Millionen Dollar, rund 1,05 Milliarden Mark) - rund dreimal mehr als vermutet.Unterdessen berichtete die "New York Times", daß in den USA nach dem Krieg Goldschmuck und -münzen von Nazi-Opfern zu Barren geschmolzen und europäischen Staaten übergeben wurden. Die schweizerische Nationalbank hatte bereits zugegeben, Nazigold im Wert von rund 300 Millionen Dollar erworben zu haben.Dem Zwischenbericht der Historikerkommission zufolge beläuft sich die Summe jedoch auf 389,2 Millionen Dollar.Die USA hatten der Schweiz in einem aufsehenerregenden Bericht vom Mai vorgeworfen, der Bankier der Nazis gewesen zu sein und damit zur Verlängerung des Krieges beigetragen zu haben. Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank sollen nach einem Bericht des Fernsehmagazins "Report" von Nationalsozialisten bei Juden geraubtes Gold erworben haben.Dies ergebe sich aus einer ersten Sichtung von Dokumenten der Deutschen Reichsbank, die vergangene Woche in Wien gefunden wurden, berichtete der Südwestfunk am Montag vorab aus seiner Sendung.In Wien waren Mikrofilme mit Abbildungen von Original-Dokumenten und Akten der Reichsbank gefunden worden.Die beiden Banken erklärten, ihnen seien die "Report"-Informationen bislang nicht bekannt. Die "New York Times" berichtete unterdessen, mindestens 40 Barren, die Washington europäischen Zentralbanken übergeben habe, seien aus Gold entstanden, das die Nazis Juden und anderen Menschen abgenommen hätten.Diese Münzen und Schmuckstücke seien 1952 umgeschmolzen worden, meldete die Zeitung unter Berufung auf geheime Dokumente, welche die New Yorker Zentralbank auf der Londoner Konferenz enthüllen wolle.Die jüngst aufgetauchten Dokumente sollen die Forderung jüdischer Organisationen und der USA stützen, wonach Restgold im Besitz der Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien im Wert von 54 Millionen Dollar an Holocaust-Opfer oder deren Erben übergeben werden soll. Zu den jüngst deklassifizierten Dokumenten gehört eine ursprünglich kodierte Mitteilung aus Bern an die Schweizer Botschaft in Washington vom November 1945.Die USA und Großbritannien hatten der Schweiz Millionen Dollar gezahlt, da die Schweiz als neutrales Land die Versorgung von Kriegsgefangenen in Japan unterstützte.Der jetzt veröffentlichten Mitteilung zufolge erreichten Bern und Tokio im August 1944 eine Geheimvereinbarung, der zufolge 40 Prozent des Geldes aus London und Washington nicht westlichen Kriegsgefangenen in Japan zugute kam, sondern der Bezahlung japanischer Staatsschulden in der Schweiz.

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