Politik : Schweizer stimmen über Wehrpflicht ab

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Genf - Warten. Eine rauchen. Durch den Schlamm robben. Noch eine rauchen. Sturmgewehr putzen. Warten. So schildern Gegner der Schweizer Armee den Alltag von Wehrpflichtigen. „Junge Männer haben Besseres zu tun, als Krieg zu spielen“, schimpft Jo Lang, einer der Wortführer der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSOA), in der sich Linke und Pazifisten zusammengeschlossen haben. Jetzt bereitet die GSOA einen Frontalangriff auf die Streitmacht vor: Die GSOA will die Wehrpflicht abschaffen. Am Sonntag werden die Eidgenossen in einer Volksabstimmung über den Plan entscheiden, die GSOA erzwang den Urnengang mit einer Unterschriftensammlung. Das Ende der Massenrekrutierung, so hofft die GSOA, würde letztlich das Aus für die gesamte Armee einleiten.

Tatsächlich leistet sich die Schweiz (knapp acht Millionen Einwohner) im Herzen des friedlichen Europas mit einer Truppe von insgesamt 190 000 Mann eine der größten Armeen der Welt, bezogen auf die Bevölkerungsgröße. „Nur Militärnostalgiker, die sich noch in Zeiten des Kalten Krieges wähnen“, wollten von der Wehrpflicht nicht lassen, betont Lang. Er verweist auf andere Länder ohne Dienstzwang: von Großbritannien über Frankreich bis Deutschland.

Regierung, Parlament und das Offizierskorps halten dagegen. An vorderster Front kämpft Verteidigungsminister Ueli Maurer von der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei. Für ihn ist die Schweizer Wehrpflichtarmee die „beste Armee der Welt“. Die Dienstpflicht gehört untrennbar zur Armee, die patriotisch Gesinnte als Heiligtum verehren. Die Streitmacht, so lautet einer der helvetischen Mythen, habe selbst in den stürmischsten Zeiten der vergangenen 200 Jahre die Schweiz vor Angriffen geschützt. „Die Armee mit der Wehrpflicht wird als ein Zwillingsbruder der Schweizer Neutralität gesehen“, erläutert der Genfer Soziologe Jean Ziegler. „Armee und Wehrpflicht anzutasten, heißt für viele, die Neutralität anzugreifen. Jan Dirk Herbermann

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