Politik : Schweizer warnt vor Kopfpauschale

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Frankfurt am Main Die Umstellung der gesetzlichen Krankenversicherung auf ein Kopfprämiensystem nach Schweizer Vorbild, wie die CDU es plane, sei „das Dümmste, was die Deutschen machen könnten“. Diese Ansicht vertrat Otto Piller, der frühere Präsident des Schweizer Bundesamtes für Sozialversicherung, am Mittwoch bei einer Veranstaltung zum Thema an der Universität Frankfurt. Piller, bis 2003 Chef der Berner Behörde, referierte auf Einladung des DGB-Bildungswerkes über die Erfahrung der Schweiz mit dem dort im Jahr 1996 eingeführten gehaltsunabhängigen Einheitsbeitrag zur obligatorischen Krankenversicherung.

Dieser variiert in den 26 Kantonen des Landes abhängig von den jeweils anfallenden Kosten und beträgt im Landesdurchschnitt derzeit rund 240 Schweizer Franken, entsprechend etwa 160 Euro im Monat. Für Kinder gibt es ermäßigte Prämien. Hinzu kommen bis zu 700 Franken (466 Euro) Selbstbeteiligung pro Kopf. Als Obergrenze gelten sieben Prozent des besteuerten Einkommens. Darum erhalten Niedrigverdiener, nach Angaben Pillers etwa ein Drittel der Bevölkerung, einen Nachlass auf ihre Beiträge.

Dennoch sei das System der Schweiz „unsozial“, erklärte der Schweizer Experte. Der Grund: Die Mittelschicht mit Jahreseinkommen von 70 000 bis 120000 Schweizer Franken werde „viel zu hoch belastet“. Großverdiener hingegen erhielten „ihre Gesundheitsversorgung zum Schnäppchenpreis“, erläuterte Piller. Besonders benachteiligt seien Familien mit Kindern in der Ausbildung. Deren Gesundheitskosten könnten leicht bis auf ein Fünftel ihres gesamten Einkommens steigen. Vor diesem Hintergrund sei eine Volksinitiative zur Einführung eines gehaltsabhängigen Beitrags gestartet worden, die nun zunächst im Parlament diskutiert werde. hsc

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