Politik : Schweizer wollen keine Gentechnik

Jan Dirk Herbermann

Genf - Die Schweizer haben der Gentechnik in der Landwirtschaft eine klare Abfuhr erteilt. In den nächsten fünf Jahren wird der Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen und das Halten gentechnisch veränderter Tiere laut Verfassung verboten sein. Mehr als 55 Prozent der Wähler und alle 26 Kantone des Landes stimmten am Sonntag bei einer Volksabstimmung dem befristeten Verbot zu. In ländlichen Regionen fiel das Ja zum Moratorium besonders stark aus. Das Votum wird in dem Alpenland deutlich härtere Regeln zur Folge haben, als es sie in der benachbarten EU gibt. Regierung, Parlament und Wissenschaft hatten gegen den Gentechnik-Bann mobil gemacht.

Bauern, Konsumenten- und Umweltschützer sowie linke Gruppen hatten die Abstimmung mit einer Unterschriftenaktion erzwungen. „Die beste Garantie für frische und gesunde Lebensmittel ist eine naturnahe Landwirtschaft“, warben die Landwirte für die Gentechnikfrei-Initiative. „In den USA, wo Agro-Gentechnik angewendet wird, leiden die Umwelt und die Natur unter den Monokulturen. Der Verbrauch von Agrochemie steigt, die Artenvielfalt nimmt ab“, betonten die Natur- und Tierfreunde.

Der Bann wird für Importe von Lebensmitteln mit Bestandteilen gentechnisch veränderter Mais- und Sojapflanzen nicht gelten. Die Einfuhr gentechnisch modifizierter Futtermittel bleibt ebenfalls legal. Auch soll das Verbot die Forschung und Herstellung von Medikamenten unberührt lassen. Doch viele Wissenschaftler haben Bedenken wegen des fünfjährigen Moratoriums. „Ich denke schon, dass ein Ja Schaden verursachen würde“, hatte der Basler Nobelpreisträger und Mikrobiologe Werner Arber vor der Abstimmung gewarnt. Der helvetische Spitzenplatz in der internationalen Genforschung wäre gefährdet, warnte Arber. Gegenwärtig tüfteln Wissenschaftler in 70 Labors zwischen Bodensee und Genfersee an neuen Gentechnik-Verfahren.

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