Politik : Schwer klärbar - das Elend einer Affäre (Kommentar)

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Auf 21 Seiten hat der Anwalt des Bundespräsidenten 45 Flüge des vormaligen Landesvaters Johannes Rau aufgelistet. Keiner privat. Eine umfangreiche Arbeit war da nötig, nachdem die redselige Witwe in Düsseldorf Privatflüge von Rau in lebhaften Farben geschildert hatte. Man stelle sich vor, wie unter Zuhilfenahme alter Terminkalender und des Gedächtnisses von Mitarbeitern ein ganzes Jahrzehnt nachträglich durchforstet worden ist. Das Ergebnis solcher Nachforschungen kann gar nicht ohne Fragezeichen bleiben: Dem Bundespräsidenten wird glauben, wer nach Kenntnis seiner Person eben für glaubhaft hält, dass Rau dienstliche und private Belange nicht vermengt hat. Und den 21 Seiten wird jeder weiter misstrauen, der schon zuvor gesundes Misstrauen für angebracht hielt. Das zeigt aber auch das Elend dieser Affäre: Sie ist nicht wirklich aufklärbar. Landesregierung, WestLB plus eine kleine teure private Charterfirma, das ist eine fatale Verquickung von Kosten und Verantwortung. Unbekömmlich für jeden, der von Berufs wegen stets öffentlich Rechenschaft ablegen muss, auch gegen möglicherweise falsche Beschuldigungen und über Zeiten, die lange zurückliegen. Zu viel, zu teuer, zu privat, lauteten seinerzeit Vorwürfe gegen Rita Süssmuth wegen ihrer Vielfliegerei mit der Bundeswehr. Diese Affäre hatte immerhin einen Vorteil: Alles war überprüfbar. Das in der Öffentlichkeit kaum registrierte Ergebnis ergab eine Entlastung für Frau Süssmuth.

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