Politik : Schwere Kämpfe in Herat

100 Tote nach Attentat auf afghanischen Luftfahrtminister

Elke Windisch

Moskau. Ein tödliches Attentat auf Luftfahrtminister Mirwais Sadik hat in der westafghanischen Stadt Herat schwere Kämpfe mit etwa 100 Toten ausgelöst. Der Sohn des örtlichen Gouverneurs Ismail Khan erlag den Verletzungen, die er bei dem Anschlag in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz erlitt. Bei anschließenden Gefechten zwischen Milizen Khans und Soldaten der afghanischen Armee wurden nach Angaben eines örtlichen Regierungsvertreters rund 100 Menschen getötet. Sadik ist bereits das dritte Regierungsmitglied, das seit dem Ende der Taliban-Herrschaft einem Anschlag zum Opfer fiel. Sein Vorgänger im Amt war im Frühjahr 2002 von Pilgern gelyncht worden. Beim Abflug nach Mekka mit er einzigen Maschine, über die die staatliche Luftfahrtsgesellschaft Ariana damals verfügte, war es zu Verzögerungen gekommen.

Der Anschlag am Sonntag dürfte mit dem Ministeramt Sadiks indessen nichts zu tun haben, sondern eher damit, dass er der Sohn des Gouverneurs von Herat, Ismail Khan, ist. Auch auf Khan selbst wurde, wie der Staatssender RTA meldete, unmittelbar vor dem Attentat auf seinen Sohn, ein Attentat verübt. Dabei soll es jedoch weder Tote noch Verletzte gegeben haben.

Offizielle Stellen machen für den Anschlag und die blutigen Straßenkämpfe den Feldkommandeur Zahir Nayebzade verantwortlich. Nayebzade gilt als Feind Khans. Beide Milizen lieferten sich schon des öfteren Kämpfe um die Kontrolle über die Provinz Herat und damit über die Einkünfte aus dem Schmuggelhandel mit Iran. Über Stiftungen, die vom dortigen Klerus beherrscht werden, kommen vor allem unverzollte iranische Ölderivate nach Afghanistan, die dann teilweise wieder reexportiert werden.

Den Erlöse teilen sich Khan und die Ajatollahs in Teheran. Der schwache Interimspräsident Karsai wagt bisher weder gegen den Schmuggel, noch gegen Khan vorzugehen, Khan ist als anerkannter Führer des schiitischen Teils der tadschikischen Minderheit mit dem Paschtunen Karsai verfeindet. Beider Verhältnis verschlechterte sich weiter, nachdem Khan in seiner Provinz zum rigiden Islam der Talibanzeit zurückkehrte. Khan gilt als einer der möglichen Herausforderer von Karsai bei den für Juni geplanten Präsidentenwahlen.

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