Politik : Schwere Kämpfe machen Hilfe in Somalia fast unmöglich

Lu Yen Roloff

Berlin - Nahezu 90 000 Menschen sind in der vergangenen Woche nach UN-Angaben aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu geflohen. Grund waren die andauernden Kämpfe zwischen islamistischen Milizen und örtlichen Clans gegen die von Äthiopien unterstützten Truppen der Übergangsregierung. Die Kämpfe haben sich seit dem Rücktritt von Somalias Regierungschef Ali Mohammed Ghedi am Montag und der Einsetzung von Salim Aliyow Ibrow als neuem Regierungschef weiter zugespitzt.

„Der Aufstand gegen die Regierung und die äthiopischen Truppen war bislang vor allem clanbasiert“, sagte Joe Belliveau, Operationsmanager von Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf dem Humanitären Kongress in Berlin dem Tagesspiegel. Er war am 25. Oktober aus Mogadischu zurückgekehrt: „Diese Konstellation ist innerhalb der vergangenen Wochen in Bewegung geraten. Wir beobachten, dass die Schabaab-Milizen, ein junger Flügel der islamistischen Gruppen, immer mächtiger und dreister werden.“ Belliveau berichtete von Maschinengewehrsalven in unmittelbarer Nähe des MSF-Hauptquartiers im Zentrum von Mogadischu. Zudem habe es Vergewaltigungen von Zivilistinnen durch somalische Polizeikräfte gegeben.

Nach UN-Angaben sind derzeit rund 1,5 Millionen Menschen in Somalia auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch die meisten Hilfsorganisationen hätten aufgrund der Sicherheitslage keinen Zugang mehr zu den Hilfebedürftigen, hieß es in einem Aufruf von 39 Organisationen am Dienstag. Ärzte ohne Grenzen gehört zu den wenigen Helfern, die momentan noch in Mogadischu arbeiten: „Wir können nur noch unter bewaffnetem Schutz handeln“, sagte Joe Belliveau. MSF müsse dabei große Kompromisse eingehen, da die Sicherheitskräfte zum Großteil aus einem der sechs kriegführenden Clans stammen. Dies gefährde die Neutralität der Hilfsorganisation, so dass eine Verwicklung in die Kriegskonflikte drohe und Mitarbeiter zum Ziel von Angriffen werden könnten. Lu Yen Roloff

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