Politik : Schwerer Anschlag in Algerien

Wagen mit Sprengstoff rast in Polizeischule

Ralph Schulze

Algier/Madrid - Eines der schlimmsten Terrorattentate der vergangenen Jahre hat am Dienstag das nordafrikanische Öl- und Gasland Algerien erschüttert. Bei dem Selbstmordanschlag vor einer Polizeischule in dem Ort Issers östlich der Hauptstadt Algier kamen mindestens 43 Menschen ums Leben, weitere 38 wurden verletzt. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Der Anschlag wird aber der immer offensiver auftretenden nordafrikanischen Terrorbewegung „Al Qaida im Maghreb“ zugeschrieben.

Das Blutbad weckt Befürchtungen, dass der jahrelange Konflikt in Algerien zwischen bewaffneten Islamisten und dem Regime von Präsident Abdelaziz Bouteflika wieder an Schärfe zunehmen könnte. Einige Diplomaten sprechen schon von einer „Irakisierung“ der algerischen Auseinandersetzung, die begann, als das Militär 1992 die ersten halbwegs freien Wahlen abbrach, weil sich ein Sieg der Islamisten abgezeichnet hatte. Mehr als 200 000 Menschen wurden seitdem in dem Bürgerkrieg getötet.

Erst am vergangenen Wochenende war ein Militärkonvoi ebenfalls im Osten des Landes angegriffen worden, dem mindestens zwölf Menschen zum Opfer fielen. Im Dezember waren bei einer Anschlagsserie in Algier auf UN-Gebäude und das Verfassungsgericht mindestens 41 Menschen gestorben, darunter 17 ausländische UN-Mitarbeiter.

Das jüngste Attentat in Issers ereignete sich gegen 7 Uhr30 morgens, als sich Dutzende Bewerber vor der örtlichen Polizeiakademie versammelten. Den zunächst noch widersprüchlichen Berichten zufolge explodierten fast zeitgleich zwei Sprengsätze: Ein Selbstmordattentäter soll sich mit einem Dynamitgürtel in der Menschenmenge in die Luft gesprengt haben. Ein weiterer raste offenbar mit einer Autobombe gegen das Haupteingangstor der Polizeischule. Unter den Toten sollen dutzende junge Männer sein, Polizisten, die den Eingang bewachten, und Zivilisten, die sich auf der Straße und einem Autobus befanden.

Die neue Terrorwelle trifft das rohstoffreiche Algerien in einem heiklen Moment. Algeriens Präsident Bouteflika buhlt um westliche Anerkennung und Investitionen, um sein marodes Land zu einer arabischen Wirtschaftsmacht aufzubauen. Europäische Regierungschefs geben sich in Algier die Klinke in die Hand, in der Hoffnung, an den riesigen Erdgas- und auch Ölvorkommen in der Sahara teilhaben zu können. Zuletzt bemühte sich Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte Juli um Aufträge und versprach den Algeriern im Gegenzug großzügige Militärhilfe. Ralph Schulze

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