Politik : Schwerer Anschlag in Pakistan

Islamabad - Drei Wochen nach Ausrufung des Ausnahmezustands in Pakistan sind bei zwei Selbstmordattentaten auf Sicherheitskräfte mindestens 29 Menschen getötet worden. Der schwerere der beiden Anschläge mit 27 Toten und mehr als 20 Verletzten ereignete sich am Samstag in der Garnisonsstadt Rawalpindi. Dort wurde ein Bus mit Mitarbeitern des Geheimdienstes ISI in die Luft gesprengt, als das Fahrzeug am Morgen auf das Gelände des ISI- Hauptquartiers fahren wollte. Bei einem Selbstmordattentat an einem etwa zehn Kilometer entfernten Kontrollpunkt starb ein Soldat.

Pakistans früherer Regierungschef Nawaz Sharif soll offenbar an diesem Wochenende aus dem Exil in sein Heimatland zurückkehren, um bei der Parlamentswahl am 8. Januar anzutreten. Sharif, der 1999 von dem heutigen Staats- und Armeechef Pervez Musharraf in einem Putsch entmachtet worden war, hatte bereits am 10. September versucht, nach siebenjährigem Exil in Saudi-Arabien zurückzukehren. Er wurde aber nur Stunden nach seiner Ankunft in Islamabad wieder ausgewiesen. Nach Angaben des Sprechers seiner Partei, der Pakistanischen Muslim-Liga-Nawaz (PML-N), wollte Sharif an diesem Sonntag von Saudi-Arabien aus in seine Geburtsstadt Lahore fliegen.

Nach Medienberichten steht hinter der Einreiseerlaubnis für Sharif eine Abmachung mit Musharraf. Dieser wolle einen Wahlboykott der PML-N verhindern, um die Legitimität der Wahl nicht infrage zu stellen. Während einige politische Beobachter es Sharif zutrauen, die zersplitterte Opposition zur entscheidenden Bewegung gegen Musharraf zu vereinen, sehen andere Analysten ihn als einen für Musharraf willkommenen Gegenspieler zu Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Die frühere Regierungschefin war ebenfalls kürzlich aus dem Exil nach Pakistan zurückgekehrt und hat die Teilnahme ihrer Volkspartei an der Wahl im Januar „unter Protest“ angekündigt. dpa

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