Politik : Schweriner PDS zankt mit SPD über Orientierungsstufe für Kinder

Andreas Frost

Der Streit um die Schulpolitik stellt die SPD-PDS-Koalition in Mecklenburg-Vorpommern vor eine ernsthafte Belastungsprobe. Die PDS-Spitze schließt nicht mehr aus, dass auf dem Landesparteitag am 11. März die Koalitionsfrage gestellt wird. Was die SPD vorschlage, widerspreche dem Koalitionsvertrag von 1998, sagte die PDS-Landtagsfraktionsvorsitzende Angelika Gramkow nach einer gemeinsamen Nachtsitzung von Landesvorstand und Landtagsfraktion. Deshalb müsse die SPD nun im derzeitigen Streit um die Bildungspolitik auf PDS-Kurs einschwenken. Dafür sieht Ministerpräsident und SPD-Landesparteichef Harald Ringstorff jedoch kaum eine Möglichkeit. Der Koalitionsausschuss, der die Frage lösen soll, tagt am kommenden Mittwoch. Doch das Problem ist kompliziert.

Laut PDS sollten vierte Grundschulklassen möglichst geschlossen in die Orientierungsstufe geschickt werden, welche dann die Klassenstufen fünf und sechs umfasst. Dort gibt es Förderung für schwächere und besondere Anreize für stärkere Schüler. Am Ende der sechsten Klasse haben die Eltern das letzte Wort über die weitere Schullaufbahn ihrer Sprösslinge, die Schule spricht eine Empfehlung aus. Mehr Chancengerechtigkeit, mehr Zeit für Orientierung, mehr Durchlässigkeit und weniger übersteigerten Leistungsdruck in der Grundschule verspricht sich die PDS von ihrem Modell. Das wird von der SPD grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Aber sie will Eltern die Wahl lassen, ihre Kinder schon nach der vierten Klasse auf das Gymnasium zu schicken. Dort gibt es zwar dieselben Inhalte und dieselben Stundentafeln, aber höhere Anforderungen, so Bildungsminister Peter Kauffold (SPD). "Wir wollen die Orientierungsstufe besser ausstatten, attraktiver machen. Aber wir können niemanden zur Orientierungsstufe zwingen." Die CDU warf der Koalition während der Landtagssitzung vor, um der lieben Macht willen nach einem "faulen Formelkompromiss" zu suchen. Der Abgeordnete Lorenz Caffier nannte es einen Skandal, "wie mit dem wichtigsten Zukunftsprojekt unseres Landes geschachert wird".

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