Schwerkranke Oppositionsführerin : Ukraine plant Mordprozess gegen Timoschenko

Das ukrainische Regime hat die schwer kranke Julia Timoschenko weiter im Visier. Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft soll bald Anklage wegen eines angeblichen Auftragsmordes gegen sie erhoben werden.

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Julia Timoschenko soll in der Ukraine erneut der Prozess gemacht werden. Diesmal geht es um Mord.
Julia Timoschenko soll in der Ukraine erneut der Prozess gemacht werden. Diesmal geht es um Mord.Foto: dapd

Ein Schritt vorwärts, zwei zurück – das scheint das Motto des ukrainischen Regimes um Wiktor Janukowitsch zu sein. Kaum wurde Julia Timoschenko endlich medizinische Hilfe durch einen deutschen Vertrauensarzt gewährt, plant Kiew den nächsten Schritt gegen die schwer kranke Oppositionsführerin. Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft soll bald Anklage wegen eines angeblichen Auftragsmordes gegen Timoschenko erhoben werden.

„In spätestens zwei Wochen ist die Anklageschrift bereit“, bestätigte Vize-Staatsanwalt Renat Kuzmin dem Internetportal EurActiv.com. Die Staatsanwaltschaft habe stichfeste Beweise für Timoschenkos Verwicklung in die Ermordung eines Geschäftsmannes und Politikers aus Donetzk. Vor 15 Jahren wurde auf dem dortigen Flughafen Jewhen Schtscherbin zusammen mit seiner Ehefrau und einem Leibwächter kaltblütig niedergestreckt. Die Mörder seien von der damaligen Geschäftsfrau Julia Timoschenko und ihrem Mentor, Ex-Premier Pawlo Lazarenko, bezahlt worden, behauptete die ukrainische Staatsanwaltschaft. Die insgesamt acht Täter hätten zugegeben, für die Tat fast 750.000 Euro bekommen zu haben.

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Sorge um ukrainische Oppositionschefin Timoschenko
Timoschenko leidet unter einem Bandscheibenvorfall und soll von deutschen Ärzten behandelt werden. Die Ukraine will sie aber nicht aus dem Gefängnis lassen.Weitere Bilder anzeigen
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26.04.2012 21:13Timoschenko leidet unter einem Bandscheibenvorfall und soll von deutschen Ärzten behandelt werden. Die Ukraine will sie aber nicht...

Timoschenko wurde im Oktober wegen angeblichen Amtsmissbrauchs bereits zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Ende Mai soll zudem ein zweiter Prozess wegen angeblicher Steuerhinterziehung beginnen. Damit drohen ihr zusätzlich zwölf Jahre Gefängnis. Der völlig von Staatspräsident Janukowitsch abhängige Staatsanwalt hat sich zudem weitere enge Mitarbeiter Julia Timoschenkos vorgeknöpft.

An der Boykottfront gegen die neben Polen in der Ukraine ausgetragenen Spiele der Fußball-EM ist es ruhig geworden. Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski hat seine Teilnahme sowohl an der EM-Eröffnung in der Ukraine wie am Finalspiel bestätigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dagegen von einer „Diktatur“. „In der Ukraine und Weißrussland leiden Menschen immer noch unter Diktatur und Repression“, sagte sie im Bundestag.

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