Politik : Schwerste Kämpfe in Afghanistan seit einem Jahr

US-Soldaten töten Rebellen / Tote sollen Anhänger von Milizenchef Hekmatyar sein / Kontakte zu Taliban und Al Qaida?

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Bagram/Islamabad (dpa). Bei den schwersten Kämpfen in Afghanistan seit fast einem Jahr haben amerikanische Truppen nach eigenen Angaben mindestens 18 afghanische Rebellen getötet. In der Nacht zum Dienstag flogen B 1Bomber Angriffe gegen Höhlenverstecke der Rebellen in den Bergen nördlich von Spin Boldak im Südosten des Landes. Auch F 16-Jets aus Europa waren im Einsatz. Eine norwegische Maschine warf Laser gesteuerte Bomben ab. Die USA setzten auch Helikopter und 200 Soldaten am Boden ein. Sie wurden von afghanischen Milizen unterstützt. Nach Berichten des US-Senders CNN und der BBC sollen sich 80 bis 100 Rebellen in den Höhlen versteckt halten. CNN berichtete, US-Truppen hätten einen mit einer Mauer umgebenen Hof durchsuchen wollen. Dabei sei es zu Schießereien gekommen, und ein nahe gelegenes Versteck einer größeren bewaffneten Gruppe sei entdeckt worden. Die USA gingen davon aus, dass es sich um Angehörige und Verbündete der Miliz des früheren Mudschahedin Gulbuddin Hekmatyar handelte. Nach Angaben der BBC waren die Bewohner von Spin Boldak jedoch nicht sicher, zu welcher Gruppe die jetzt angegriffene Miliz gehört. Sie habe seit längerem an Straßensperren Geld erpresst.

Hekmatyar (55) ist ein mit den Taliban verbündeter Fundamentalist, der während der sowjetischen Besatzungszeit von 1979 bis 1989 massiv vom Westen gefördert wurde. Im Bürgerkrieg von 1992 bis 1996 war Hekmatyar maßgeblich an der Zerstörung Kabuls beteiligt. Während der Talibanzeit hielt er sich meist in Iran auf, von wo er vor einem Jahr ausgewiesen wurde. Seitdem befürchten Experten, dass er mit den Taliban, mit denen er früher zeitweise verfeindet war, und mit dem Terrornetzwerk Al Qaida an einer neuen Koalition arbeitet. Amerikas Angriffe nach dem 11. September 2001 hatte Hekmatyar scharf kritisiert, er rief zum Kampf gegen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten auf. Im März vergangenen Jahres hatten die USA in Gardes im Osten Afghanistans bei der „Operation Anaconda“ 1000 Soldaten eingesetzt, um gegen Reste der Taliban und Al Qaida vorzugehen.

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