Politik : Schwierige Balance

Andrea Nüsse

Es ist eine einzige Erfolgsgeschichte: Der Aufstieg der Vereinigten Arabischen Emirate und insbesondere Dubais vom Fischerdorf zum internationalen Handels- und Finanzzentrum. Am Sonntag feiert die einzige Föderation der arabischen Welt, die aus sieben sehr unterschiedlichen Klein-Emiraten besteht, ihren 30. Geburtstag. Am 2. Dezember 1971 wurde das Land zwischen Arabischem Golf und dem Golf von Oman endgültig unabhängig von Großbritannien. Auch wenn das Land sich bisher erfolgreich aus allen politischen Krisen herausgehalten hat und rein aufs Geschäftliche gesetzt hat - vom Kampf gegen den Terror nach dem 11. September sind auch die VAE und das Emirat Dubai mehr betroffen als ihnen lieb ist.

Denn nicht nur waren zwei der mutmaßlichen Attentäter Emiratis, insbesondere der Laizzez-faire-Kapitalismus des Bankenzentrums Dubai wird verdächtigt, die Finanzierung terroristischer Netzwerke zumindest leicht zu machen. Seit 1999 wurde die Dubai Islamic Bank wegen angeblicher Kontakte zu Osama bin Laden von den USA beobachtet. Um diese Vorwürfe zu kontern, hat die VAE Anfang Oktober ein bereits seit langem vorbereitetes Geldwäschegesetz erlassen. Doch Beobachter sind skeptisch: Allein die hohe Zahl der in den Emiraten ansässigen Banken - insgesamt 47 - macht eine Kontrolle schwer. Außerdem handeln die einzelnen Emirate recht unabhängig von der Zentralbank in Abu Dhabi. Die Furcht, dass ausländische Investoren sich davon abschrecken lassen, ist insbesondere in Dubai groß.

Der Stadtstaat verfügt im Gegensatz zu Abu Dhabi nur über geringe Erd- und Erdgasvorkommen. Daher hat die regierende Maktum-Familie frühzeitig auf Tourismus und Handel gesetzt, um seine Einnahmen zu diversifizieren. Mit Erfolg: Touristen können im teuersten Hotel der Welt absteigen, dem Sieben-Sterne-Hotel "Burj al-Arab" oder auf zwei Rasengolfplätzen mitten in der Wüste Golf spielen. Der Flughafen von Dubai ist der Verkehrsknotenpunkt zwischen der arabischen Welt und Asien geworden. In den Hotels in Dubai gibt es Alkohol und Nachtclubs - im benachbarten Emirat Sharja ist Alkohol verboten und eine neue Kleiderordnung schreibt auch für Inderinnen das Bedecken des Bauchnabels vor.

Trotz dieser Unterschiede scheint die Balance zwischen westlichem oder asiatischem Lebensstil und islamischer Kultur innerhalb der VAE gelungen - oder er wird akzeptiert, weil alle Emiratis von dem Boom profitieren. Die Einheimischen machen allerdings auch nur 15 Prozent der etwa drei Millionen Bewohner aus. Gegen "moralische" Vorwürfe seiner konservativen Nachbarn wie Saudi-Arabien oder Iran schützen sich die Emirate erfolgreich dadurch, dass sie sich völlig aus der regionalen Politik heraushalten. Sie rechtfertigen ihren Sonderweg damit, dass sie sich auf Handel und Finanzen spezialisiert haben. So hat das Land problemlos die diplomatischen Beziehungen mit dem Taliban-Regime abgebrochen, als diese in die Kritik gerieten.

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