Schwierige Stimmabgabe : Aquino liegt bei Wahl auf Philippinen vorn

Bei Gewaltausbrüchen während der Landeswahlen auf den Philippinen gab es am Montag mindestens 14 Tote.

Daniel Kestenholz

BangkokZudem wurden die kombinierten Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen von einem zeitweiligen Ausfall der Wahlmaschinen überschattet. Allerdings ist Gewalt bei Wahlen auf den Philippinen an der Tagesordnung; deshalb zogen Beobachter insgesamt eine positive Bilanz. Das lag vor allem an der hohen Wahlbeteiligung, die bei rund 85 Prozent lag. Der Andrang war derart überwältigend, dass die Behörden die verlängerte Öffnung der Wahllokale anordneten. Die hohe Beteiligung machte deutlich, dass die von Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation geplagten Filipinos nun einen Wandel wünschen.

Als Favorit für das Präsidentenamt zeichnete sich der Senator Benigno „Noynoy“ Aquino III ab, der Sohn der im August an Krebs verstorbenen ehemaligen Staatschefin Corazon Aquino. Sein Vater Benigno Aquino Jr. war von Schergen des Diktators Ferdinand Marcos ermordet worden. Aquino lag nach ersten Auszählungsergebnissen vom Montag mit mehr als 40 Prozent in Führung.

Probleme bereiteten die automatischen Wahlmaschinen ausgerechnet auch im Wahlkreis 175A in der Hauptstadt Manila, wo Aquino seine Stimme abzugeben versuchte. Um 10 Uhr morgens reihte er sich in die lange Schlange ein, vier Stunden später war er an der Reihe. Die Wahlbehörde Comelec rechnet trotz der technischen Schwierigkeiten damit, dass die Stimmen noch in dieser Woche ausgezählt sind. Früher dauerte dies mehrere Wochen. In Warteschlangen und Onlineforen ließen sich Stimmbürger über die „bislang mit Abstand chaotischsten Wahlen“ aus. Doch die meisten ertrugen das stundenlange Warten mit Fassung. Getränke- und Snackverkäufer machten gute Geschäfte.

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern gilt Aquino als ein Kandidat, der von Skandalen unbelastet ist. Während des Wahlkampfs hatte er versprochen, den Kampf seiner Eltern für Demokratie zu Ende zu führen. Dabei wirkt er nicht gerade wie ein Kämpfer. Dennoch dürfte dies seinem Siegeszug wenig anhaben: In der philippinischen Politik zählen immer noch Monopole, stille Absprachen – und große Namen.

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