Schwieriger Gipfel : Rasmussen wird neuer Generalsekretär

Militante Nato-Gegner haben ein Hotel in Straßburg angesteckt. Angaben zu Verletzen gibt es noch keine. Unterdessen haben sich 28 Staats- und Regierungschefs auf einen neuen Generalsekretär geeinigt: Anders Fogh Rasmussen wird der neue Nato-Chef.

StraßburgDer neue Nato-Chef heißt Anders Fogh Rasmussen, die Allianz konnte letztendlich doch die Vorbehalte der Türkei ausräumen. Nachdem es lange nach einer Blamage für die das Bündnis aussah, da die Fragen nach dem neuen Generalsekretär an diesem Wochenende definitiv geklärt werden sollte, freute sich vor allem Jaap de Hoop Scheffer. "Das ist ein ganz besonderer Moment", sagte der scheidende Generalsekretär.

Militante Nato-Gegner haben unterdessen am Samstag in Straßburg Brandsätze in ein Hotel und mehrere andere Gebäude geworfen. In dem Hotel brach Feuer aus. Das gesamte Erdgeschoss stand in Flammen. Eine Informationsbüro für Touristen brannte aus, ebenso ein altes Zollhaus. Die Polizei konnte zunächst nicht sagen, ob sich noch Menschen in den Gebäuden befinden. Auch zu möglichen Verletzten gab es keine Angaben. Polizeihubschrauber kreisten über dem Gebiet nahe der Rheinbrücke nach Kehl in Deutschland.

Türkei ließ sich lange nicht umstimmen

Die westliche Allianz braucht im Sommer einen neuen zivilen Chef, doch die Nachfolge von Jaap de Hoop Scheffer drohte zu einer schweren Blamage für die Militärallianz zu werden. Die Mächtigen der westlichen Welt, von US-Präsident Barack Obama über Frankreichs Nicolas Sarkozy bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel, versuchten, den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül davon abzubringen, die Kandidatur des Dänen Anders Fogh Rasmussen zu blockieren.

Vergeblich. Die Haltung des Staatschefs aus Ankara war in Baden-Baden eindeutig: Die stolze und große Türkei, ein strategisch wichtiges Mitgliedsland am südöstlichen Rand Europas, ließ sich nicht einfach so umstimmen. Zu schwer wiegen die Vorwürfe in der Heimat gegen Rasmussen. Der dänische Regierungschef soll nichts gegen den in Dänemark beheimateten kurdischen Fernsehsender Roj TV getan haben. In Ankara wird auch die Reaktion der Rasmussen-Regierung auf die Veröffentlichung von Karikaturen über den Propheten Mohammed in dänischen Zeitungen 2005 kritisiert.

Rasmussens Ansehen schien beschädigt

Gipfelgastgeberin Merkel hatte sich vor dem Essen im noblen Kurhaus zuversichtlich gezeigt, dass es noch am Abend eine Einigung geben könnte. Rasmussen sei "eine gute Wahl", betonte sie. Sekundiert wurde sie von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls mit einer Einigung der speisenden Gipfelrunde auf den Dänen rechnete.

Der Konflikt um den Spitzenposten warf ein Schlaglicht auf schwere Spannungen innerhalb der 60 Jahre alten Allianz. Früher wurde der Generalsekretär im stillen Hinterzimmer bestimmt; heute wird daraus ein politisches Spektakel, das vor laufenden Fernsehkameras aufgeführt wird. Das ist delikat, denn Entscheidungen können die 28 Mitglieder nur im Konsens treffen. Die Türkei tritt in der Allianz selbstbewusst auf, denn sie weiß, dass sie gebraucht wird, unter anderem als Makler im Nahost-Friedensprozess. (jg/dpa)

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