Politik : Schwierigkeiten mit dem Zeitenwandel (Glosse)

Thomas Kröter

Die Stimme bebte vor Ehrfurcht. Gar nicht einkriegen konnte Manfred Hampel sich vor Hochachtung für die Holzmann-Sanierung, die nun schon den zweiten Tag in den Bundestag schwappte. "Es ist vor allem dem Einsatz von Bundeskanzler Kohl zu verdanken", tremolierte der SPD-Abgeordnete. Lachen, vor allem bei der Opposition. Stutzen. Dann hatte auch der stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses begriffen, was los war ...

16 Jahre sind zu viel, als dass ein mehr oder weniger gutes Jahr den Namen "Schröder" untrennbar mit dem Titel "Bundeskanzler" verbinden könnte. Auch der schreibenden Zunft hinter den Linden passiert dergleichen; nur dass unsereiner eben nicht öffentlich zu formulieren hat, sondern diskret die Lösch-Taste auf dem PC bedient, um die Peinlichkeit zu vermeiden. Öfter als Kohl statt Schröder, das sei hier eingestanden, steht als Ortsmarke vor einer Meldung allerdings "Bonn" statt "Berlin" und in einem Telefongespräch mit dem Mutterhaus heißt die Parlamentsredaktion in der Schadowstraße, schnell mal: "Bonner Büro". Also, Bruder Hampel, wir haben Verständnis. Alte Gewohnheiten sind hartnäckig. Und gerade deshalb oft so komisch.

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