Schwimm-Weltmeisterschaft : Barcelonas Hoffnung

Die Krise beschwört in Barcelona alte Geister, von Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Linderung soll nun die Schwimm-WM bringen. Rettung aber sehen viele in der Unabhängigkeit.

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Turmspringer in Barcelona.
Turmspringer in Barcelona.Foto: promo

Türkisblau glitzert das Wasser des Schwimmbads von Montjüic in der Sonne, am Fuße des Hügels glänzen die Dächer von Barcelona, rechts leuchtet das Meer. Ganz oben auf dem Sprungturm steht ein junger Mann und stößt sich ab. Jeder, der ihm auf seinem Weg ins Becken zusieht, blickt gleichzeitig auf die Stadt und das Meer. Ein leises Platsch-Geräusch. Der junge Mann taucht wieder auf, und ein paar Zuschauer klatschen.

Maite Fandos, stellvertretende Bürgermeisterin von Barcelona und verantwortlich für den Sport in der Stadt, klatscht besonders laut. Und sie strahlt. Einen besseren Ort fürs Turmspringen kann sie sich nicht vorstellen. Dieses Panorama!

Fandos, 50, stellt der Presse gerade die Schwimmweltmeisterschaften vor, die am Freitag beginnen und zehn Tage dauern. „Hier fanden 1992 schon die Schwimmwettbewerbe der Olympischen Spiele statt“, sagt sie. „Mit der Weltmeisterschaft wollen wir an den Erfolg der Spiele anknüpfen und weiter daran arbeiten, Barcelona auf der Weltkarte als optimalen Ort für Sportevents und andere Großveranstaltungen zu verankern.“ Sie macht eine kleine Pause, ihr Lächeln verschwindet. „Und natürlich wollen wir mit dem Wettbewerb die Krise bekämpfen.“

Die Finanzkrise kratzt am Weltstadt-Image von Barcelona, das die Olympischen Spiele von 1992 geschaffen haben. Seit den Spielen gilt die Stadt als mediterrane Metropole, sicher und wohlhabend, beliebt bei Städte- und Geschäftsreisenden – vor den Spielen war Barcelona eine südeuropäische Industriestadt, wo Besucher fürchteten, Opfer eines Überfalls zu werden. Die Stadt kämpft heute aber mit den gleichen Problemen wie das ganze Land, Gespenster der Zeit vor 1992 tauchen wieder auf. 24 Prozent der Bewohner sind arbeitslos. Und mit der Armut steigt auch wieder die Kriminalität in der Stadt. Lässt ein Tourist seinen Geldbeutel oder das Handy auf dem Tisch eines Cafés liegen, mahnt der Kellner, die Sachen doch besser in der Tasche aufzubewahren – zu viele Diebe.

Die Weltmeisterschaft ist für Barcelona aber nur eine kleine Antwort auf die Krise. Die große Antwort verspricht sich die Stadt von der Unabhängigkeit. Kein Tag vergeht, an dem nicht mindestens ein Politiker erklärt, Katalonien und Barcelona würde es viel besser gehen, wäre die Region bloß unabhängig. Und der Ton wird schärfer.

Maite Fandos wischt sich den Schweiß von der Stirn. Im Schwimmbad von Montjüic zeigt das Thermometer jetzt 38 Grad. Die Krise ist kein guter Abschluss für die Presse. Also noch ein Satz zu den Olympischen Spielen, bevor sie in die Kühle des Rathauses flüchtet. „Wir hatten den Erfolg der Spiele im Kopf, als wir beschlossen, die Schwimmweltmeisterschaften zu organisieren.“

Später, in ihrem klimatisierten Büro, preist die Vizebürgermeisterin weiter die Vorzüge des Sportspektakels, „gerade in der Krise“. Dass die Bewohner von Barcelona hinter der WM stünden, dass laut Meinungsumfragen mehr als 70 Prozent solche Großveranstaltungen befürworteten, vor allem Sportevents.

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