Politik : Scientology-Debatte: Windows 2000 Komponenten sollen nicht in Hamburgs Behördencomputer

Karsten Plog

Der Stadtstaat Hamburg benutzt bestimmte Komponenten des neuen Computer-Betriebssystems Windows 2000 für seine Behörden nicht, weil sie von einer US-Firma hergestellt werden, deren Eigner zu den einflussreichsten Scientologen gehört. Das bestätigte eine Sprecherin der Hamburger Finanzbehörde, die in dieser Frage auch für die anderen Behörden zuständig ist, am Donnerstag auf Anfrage.

Es geht dabei um ein so genanntes Defragmentierungsprogramm mit Namen "Diskeeper", das dazu dient, die Daten einer Festplatte so zu ordnen, dass sie vom Rechner schneller erfasst werden können. Hersteller ist die US-Firma Executive Software Inc., die dem Scientologen Craig Jensen gehört, der nach Hamburger Informationen als "Operierender Thetan der Stufe VIII" zu den Führungskräften der Scientologen zählt. Executive Software gehört wiederum zum "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE). In einem Bericht der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology an die Bürgerschaft wird vor diesen Unternehmen gewarnt. Sie seien wie die übrigen Organisationen von Scientology dazu verpflichtet, deren Ideologie zu verbreiten. Die Leiterin der Arbeitsgruppe, Ursula Caberta, war deshalb gegen den Einsatz von "Diskeeper".

Auch Experten wie der Informatik-Professor Klaus Brunnstein halten es für nicht ausgeschlossen, dass über diese Software Daten verdeckt weitergeleitet werden könnten. Dagegen hat Windows-Lieferant Microsoft inzwischen bescheinigt, "Diskeeper" könne bedenkenlos angewendet werden. Hamburg setzt sich seit geraumer Zeit offensiv mit den Scientologen auseinander, die kürzlich in der Innenstadt für angeblich 20 Millionen Mark ein fünfstöckiges Haus gekauft haben. Innensenator Hartmuth Wrocklage (SPD) geht davon aus, dass von den Scientologen "eine erhebliche Gefahr für das Wohl unserer Bürger ausgeht".

Seitens des Bundesamts für Sicherheit und Informationstechnik wollte man sich zu dem Vorfall nicht äußern. "Bei Diskkeeper handelt es sich um ein laufendes Verfahren", sagte der stellvertretende Sprecher des Bonner Amtes Joachim Weber. Seit zwei Monaten führt das BSI im Auftrag des Innenministeriums Gespräche mit Microsoft, um eine etwaige Gefährdung der durch das Betriebssystem zu klären.

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