Politik : Sechs Monate Warten auf die Abschiebung - Chronik des Streites um den Flüchtlingsjungen

Nach monatelangem politischen und juristischen Tauziehen hat die US-Justizministerin Reno entschieden. Der kubanische Flüchtlingsjunge Elian soll zurück zu seinem Vater nach Kuba. Doch die Verwandten sträuben sich. Eine Chronik des Streits um den Verbleib des Sechsjährigen

22. November: Elian verlässt mit 13 weiteren Flüchtlingen Kuba in einem Motorboot in Richtung USA.

25. November: Elian wird in der Nähe der Küste von Fort Lauderdale auf See gerettet. Seine Mutter und sein Stiefvater sind ertrunken. Außer Elian haben nur zwei Flüchtlinge überlebt.

26. November: Die amerikanische Einwanderungsbehörde gibt den Sechsjährigen bis zur Entscheidung über seine Aufenthaltserlaubnis in die Obhut seines Großonkels.

27. November: Juan Miguel Gonzalez verlangt die Rückkehr seines Sohnes nach Kuba. Der Vater macht geltend, dass das Kind von seiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten ohne sein Wissen außer Landes gebracht wurde.

6. Dezember: Das US-Außenministerium weist die Forderung des kubanischen Staatschefs Fidel Castro zurück, Elian in seine Heimat zurückkehren zu lassen. Die Führung in Havanna wirft den USA Entführung vor.

10. Dezember: US-Anwälte stellen einen Antrag auf politisches Asyl für Elian. Nach Angaben der kubanischen Behörden demonstrieren etwa 2,2 Millionen Kubaner für die Rückkehr des Jungen.

13. Dezember: Der Vater des Sechsjährigen trifft in Havanna mit Beamten der US-Einwanderungsbehörde zusammen.

5. Januar: Nach wochenlangem Streit zwischen den USA und Kuba scheint das Schicksal des Sechsjährigen geklärt. Er soll nach Angaben der US-Einwanderungsbehörde bis zum 14. Januar zu seinem Vater nach Kuba zurückkehren.

7. Januar: Um die geplante Abschiebung zu verhindern, wird Elian von dem Abgeordneten Dan Burton für den 10. Februar zu einer Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses vorgeladen. Damit kann seine eigentlich bis 14. Januar fällige Abschiebung nicht vollstreckt werden.

8. Januar: Elians Verwandte stellen einen Antrag auf Vormundschaft.

12. Januar: US-Justizministerin Reno bestätigt die Anordnung der Einwanderungsbehörde, die die Rückkehr des Jungen zu seinem Vater vorsieht.

19. Januar: Elians Großonkel reicht gegen die Ausweisungsverfügung Klage ein.

26. Januar: Die aus Kuba angereisten Großmütter treffen mit ihrem Enkel zusammen.

21. März: Die in den USA lebenden Verwandten des Flüchtlingsjungen scheitern mit dem Versuch, politisches Asyl für Elian zu beantragen. Ein Bundesrichter in Miami weist eine entsprechende Klage eines Großonkels zurück.

24. März: Die amerikanische Regierung stellt Elians Verwandten ein neues Ultimatum für ein schnelles Berufungsverfahren. Bei einer Ablehnung werde der Sechsjährige sofort nach Kuba geschickt.

25. März: In Kuba demonstrieren rund 50 000 Menschen für die Rückkehr Elians zu seinem Vater.

28. März: Die amerikanischen Verwandten Elians verweigern die Unterzeichnung eines Dokuments, in dem sie eine Rückkehr Elians in seine Heimat zusichern sollen.

3. April: In Havanna beantragen der Vater des Jungen sowie mehrere Verwandte offiziell eine Einreisegenehmigung für die USA.

6. April: Elians Vater trifft in den USA ein, um persönlich sein Kind zurückzufordern. Castro hatte Elians Vater und dessen Begleiter persönlich verabschiedet.

7. April: US-Justizministerin Reno ordnet an, dass Elian seinem Vater übergeben werden muss.

13. April: US-Justizministerin Reno stellt den Verwandten ein Ultimatum, den Jungen bis 14 Uhr den Behörden oder seinem in die USA gereisten Vater zu übergeben.

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