Politik : Sechs Partner legen Grundstein für die Mega-Gewerkschaft

ANDREAS BÖHME

Deutscher Riese soll größte Arbeitnehmer-Organisation der Welt werden / Streit bereits in der VorbereitungsphaseVON ANDREAS BÖHME STUTTGART.Der erste Schritt zur größten Gewerkschaft der Welt ist getan, auch wenn ein solcher Zusammenschluß im Dienstleistungsbereich frühestens im Jahr 2000 von sechs Arbeitnehmervertretungen vollzogen würde.Am Dienstag wurde in Stuttgart der Weg zu einem solchen Schulterschluß durch eine erste, politische Plattform geebnet.Zwei Tage haben die Vertreter von sieben Einzelgewerkschaften über das Zusammengehen beraten und ein Papier verabschiedet.Inzwischen machte die Eisenbahnergewerkschaft aber schon wieder einen Rückzieher. In dieser "Plattform" sprechen sich die Angestelltengewerkschaft DAG, die IG Medien, die Postgewerkschaft DPG, und die Gewerkschaften ÖTV, HBV und GEW generell für den Zusammenschluß aus.Käme er zustande, würde die Mega-Gewerkschaft nach derzeitigem Stand mit knapp vier Millionen Mitgliedern sogar die mächtige IG Metall auf Rang zwei verweisen. Der ebenfalls am Dienstag vereinbarte Zeitrahmen sieht zunächst einen Grundsatzbeschluß in allen Einzelgewerkschaften vor.Von Juni an werden dann die Strukturen der neuen Dienstleistungsgewerkschaft beraten.Dabei soll es, so DAG-Chef Roland Issen, "keine aufnehmende und keine abgebende Gewerkschaft" geben, sondern eine möglichst pluralistische Struktur geschaffen werden.Ende kommenden Jahres schließlich werden außerordentliche Gewerkschaftstage den Übergang und die mögliche Selbstauflösung der Gewerkschaften beschließen.Wie schwierig der Weg zu einer möglichen "Supergewerkschaft" ist, machte am Dienstag aber auch der Absprung der Eisenbahner-Gewerkschaft aus der "Siebener-Gruppe" deutlich. Detlef Hensche von der IG Medien wertete die angestrebte Vereinigung als "historisch notwendig", weil man angesichts der sich auflösenden Branchengrenzen gezwungen sei, die Kräfte zu bündeln.Kurt van Haaren von der Postgewerkschaft forderte, den heterogenen Mitgliederstamm (allein die ÖTV umfaßt 400 Berufsgruppen) davon zu überzeugen, daß es keine Alternative gebe.Während bei der Postgewerkschaft der Organisiationsgrad bei 70 Prozent liege, würde die zusammengeschlossene Dienstleistungsgewerkschaft weniger als 20 Prozent aller Arbeitnehmer in diesen Branchen repräsentieren.Vor allem in den Wachstumsbranchen ist nur ein Teil der Arbeitnehmer organisiert - für Issen eine "Schicksalsfrage", dies mit der neuen Gewerkschaft zu ändern.

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