• Sechswöchiges Ausbildungsprogramm unter OSZE-Regie hat begonnen - 178 000 Flüchtlinge in Serbien

Politik : Sechswöchiges Ausbildungsprogramm unter OSZE-Regie hat begonnen - 178 000 Flüchtlinge in Serbien

Die ersten Anwärter der künftigen einheimischen Polizeitruppe im Kosovo haben am Dienstag ihre Ausbildung begonnen. 200 Rekruten im Alter von 20 bis 45 Jahren werden sechs Wochen lang von internationalen Kräften ausgebildet. Ziel sei der Aufbau einer Polizei, die dem Schutz der Rechte und Freiheiten aller Menschen im Kosovo verpflichtet ist, sagte der für den Aufbau der Truppe verantwortliche Direktor bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Steve Bennett. Das Training leiten 100 Ausbilder aus 13 Ländern. Dem Grundlagenkurs in der Akademie sollen Unterrichtseinheiten auf der Straße zusammen mit Polizisten der Vereinten Nationen (UN) folgen. Insgesamt wurden 3000 Kandidaten unter knapp 20 000 Bewerbern für die künftige Ordnungsmacht in der serbischen Provinz ausgewählt, unter ihnen zahlreiche ehemalige Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK). 83 Prozent der Bewerber sind albanisch-stämmig.

Fast 220 000 Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR im vergangenen halben Jahr aus dem Kosovo in andere Gebiete Jugoslawiens geflüchtet. Die überwiegende Mehrheit seien Serben und Montenegriner, sagte die Sprecherin des Belgrader Büros des UNHCR, Petkovic, am Dienstag. Zwischen 50 000 und 60 000 Menschen haben demnach während der Nato-Luftangriffe von März bis Juni ihre Heime verlassen. Der Großteil sei aber nach dem Eintreffen der internationalen Schutztruppe KFOR am 12. Juni geflohen. 178 000 Flüchtlinge befinden sich den Angaben zufolge derzeit auf serbischem Gebiet, etwa 41 000 seien in Montenegro untergekommen.

Nach Recherchen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen haben Kosovo-Albaner seit Kriegsende mit brutalsten Methoden etwa 90 000 Angehörige der Roma- und Aschkali-Minderheiten aus dem Kosovo vertrieben oder in Lager gesteckt. An der Spitze der Gewalttaten stehe die UCK-Miliz, die seit Kriegsende eine Politik der "ethnischen Säuberung" betreibe. Bis zu zwei Drittel der Häuser der Minderheiten seien geplündert, verbrannt oder auf andere Weise zerstört worden. Zuvor hatten etwa 150 000 Roma und Aschkali im Kosovo gelebt. Bei den Vertreibungen hätten die Kosovo-Albaner auch vor Morden und Vergewaltigungen nicht zurückgeschreckt, so GfbV-Präsident Zülch.

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