Politik : Seehofer will nach Tschechien – und stellt Bedingungen

Petr Jerabek (ddp)

München - Es wären historische Bilder: Ein tschechischer Regierungschef, der dem bayerischen Ministerpräsidenten in Prag die Hand schüttelt. 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die bayerisch-tschechischen Beziehungen durch den Streit über die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg weiter belastet. Wie schon vor einem Jahr kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auch dieses Mal auf dem Sudetendeutschen Tag in Augsburg eine baldige Pragreise an. Wie vor einem Jahr aber bleibt es eine sehr vage Ankündigung mit vielen Unbekannten. Ob und wann es zu dem historischen Händedruck kommt, bleibt offen. Neu ist, dass sich der Ministerpräsident auf einen Reisezeitraum festlegte – September oder Oktober.

Ob dieser Plan realistisch ist, bleibt allein schon wegen der tschechischen Innenpolitik unklar: Am Wochenende stehen in Tschechien Parlamentswahlen an, deren Ausgang als völlig offen gilt. Damit bleibt auch abzuwarten, wer überhaupt Seehofers Gesprächspartner wäre und welche innenpolitische Rücksichten dieser allein schon wegen seiner Koalitionspartner nehmen müsste. Da könnte es zum Problem werden, dass Seehofer Bedingungen stellt: Der Ministerpräsident will nicht ohne Spitzenvertreter der Sudetendeutschen nach Prag fahren und dabei auch die heiklen Streitpunkte thematisieren. Er werde auch die umstrittenen Benes-Dekrete zur Vertreibung und Enteignung der Sudetendeutschen ansprechen, versicherte Seehofer. „Das darf nicht dem Wunsch einer Reise geopfert werden.“ Für diese Haltung wurde schon Seehofers Vorvorgänger Edmund Stoiber (CSU) von den Sudetendeutschen geliebt – er schaffte es dann in seiner 14-jährigen Amtszeit aber auch nie nach Tschechien.

Wie der neuen tschechischen Regierung der Gedanke gefallen wird, neben Seehofer auch dem obersten Repräsentanten der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, die Hand zu schütteln, wird sich zeigen. Dass der tschechische Staatspräsident Václav Klaus darauf wenig erpicht sein dürfte, liegt auf der Hand, ist er doch in den vergangenen Jahren mit zum größten Feindbild der Sudetendeutschen avanciert. Petr Jerabek (ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar