Politik : Seelenhaut

Roland Koch

Blut, Schleim, Prügeleien, Seemannsgarn, Huren und illegale Abtreibungen: Die Welt, in die Cyril Parks Anfang des vergangenen Jahrhunderts hineingeboren wird, ist nicht mit Sonnenseiten gesegnet. In Morecambe, an der Nordwestküste Englands, betreibt Reeda Parks eine Pension, in der sie vorwiegend Gäste mit Schwindsucht aufnimmt. Der Ort am Meer ist bekannt für seine milde Luft – und Reeda für ihr großes Herz. Ihr Sohn Cyril wächst mit Krankheit und Tod auf.

Zum Thema Online Spezial: Die große Sonderseite zur Buchmesse
Service buecher.de: Dieses Buch online bestellen
Als Cyril fünfzehn ist, stirbt seine Mutter und Eliot Riley nimmt ihn bei sich auf. Riley hat das zweite Gesicht. Wenn er nicht betrunken am Pier entlangtorkelt, ist er ein begnadeter Künstler: Dann tätowiert er den Menschen Totenköpfe und Meerjungfrauen auf die Haut. Der Trinker wird zum Philosophen, die Seele zum Abgrund und die irrwitzige Geschichte von Cyril zum Abenteuer, das nicht mehr loslässt. Denn die junge britische Autorin Sarah Hall versteht es in „Der elektrische Michelangelo“, die menschliche Existenz an ihren Sollbruchstellen bersten zu lassen und aus den Trümmern eine faszinierende Geschichte zu spinnen.

Sarah Hall: Der elektrische Michelangelo. Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind, München. 420 Seiten, 22 €.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben